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  Sprechen Sie deutsch?

Website über Erich Schairer (1887-1956), Journalist und Publizist, und seine ab 1920 erschienene Sonntags-Zeitung.

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Die Juden haben es also auf geheimnisvolle Weise fertig gebracht, daß das Tannenberg-Denkmal am 18. September, ausgerechnet an einem jüdischen Feiertag, eingeweiht worden ist. Ludendorffs neue Frau hat es als einzige gemerkt und, leider zu spät, verkündet. Der Sieg ihres Mannes bei Tannenberg ist der Anfang der deutschen Niederlage gewesen; die Juden, die bekanntlich nach der Weltherrschaft streben, triumfieren natürlich darüber, daß diese uns infolgedessen entwischt ist, und betrachten das Tannenberg-Denkmal im stillen als ihr Denkmal. Eine raffinierte Gesellschaft.
     Im Anschluß an Frau Ludendorffs Entdeckung erlaube ich mir auf eine andere, noch viel schlimmere jüdische Schandtat hinzuweisen. Die Juden müssen es auf okkulte Weise, wahrscheinlich mit Hilfe von kabbalistischen Zaubersprüchen, fertig gebracht haben, uns Deutschen unser bisher unveräußerliches, höchstes Kulturgut, unsere Sprache, wegzueskamotieren. Sie sind infolgedessen in der Lage, in ihren Büchern und Presseerzeugnissen, mit denen sie uns vergiften, ein hervorragendes Deutsch zu schreiben; während unsere garantiert deutschen Männer ihre arme Muttersprache heutzutage in einer Weise radebrechen, daß einem die Haare zu Berg stehen möchten. Je treudeutscher das Herz, desto miserabler das Deutsch, das aus der Feder strömt. Statt Dutzenden von Beispielen nur eines, das mir zur Hand ist.
     Es stammt gerade von jenem jüdischen Feiertag, nämlich aus dem Telegramm des Kaisers und Königs Wilhelm an den Generalfeldmarschall von Hindenburg anläßlich der Tannenbergfeier. Da heißt es: „Von mir mit dem Auftrage entsandt, Ostpreußen, koste es, was es wolle, vom Feind zu befreien, gelang es Ihrer und des General Ludendorffs überlegener Führung, unterstützt durch die hingebende Mitwirkung Ihrer Unterführer und Gehilfen, die meist der Schule meines alten Generalstabschefs, des Grafen Schlieffen, entstammten, mit unseren unvergleichlichen, von Opferfreudigkeit und Tapferkeit beseelten Truppen diesen herrlichen Sieg zu erkämpfen.“
     Wenn einer meiner früheren Aufsatzschüler in Quinta sich unterstanden hätte, einen derartigen Satz zu liefern, dann hätte ich ihm sein Heft an den Kopf geworfen. Aber keinem von den deutschen Blättern, die dieses Bündel von grammatischen Majestätsbeleidigungen ihres Imperators und Rexen abgedruckt haben, ist es anscheinend bei der Wiedergabe zum Bewußtsein gekommen, daß da etwas nicht stimme.
     Wehe, dreimal wehe über dich, Germania, daß deine edelsten Söhne so hundsgemein mit dir umspringen! Wo bleibt der Protest der organisierten Studienräte Alldeutschlands? Aber freilich, die haben vor lauter vaterländlichen Belangen, denen sie sich widmen, keine Zeit mehr, an das bißchen deutsche Sprache zu denken.
     Soweit hatte ich geschrieben und dachte eben noch darüber nach, wie die Juden es wohl gemacht haben mochten, um einen bekannten Stilisten wie Wilhelm II. derart zu verhexen. Mechanisch langte ich nach den Zeitungen auf dem Tisch und las: „Die berüchtigte Resolution ist mit 212 gegen 126 Stimmen bei 17 Stimmenthaltungen angenommen. Durch meine Interpretation derselben habe ich ihr die größte Gefährlichkeit geraubt.“ Der Räuber ist der ehemalige Reichskanzler Michaelis, der so an den Kronprinzen geschrieben und der deutschen Sprache durch seine Handhabung derselben die größte Gefährlichkeit für Sprachliebhaber geraubt hat.
     Ich nehme mir die „Deutsche Zeitung für Paraguay“, die doch sicher auf ihrem vorgeschobenen Posten von einem wackeren deutschen Manne redigiert wird. Da steht in einem Leitartikel über den 11. August: „Wie kann eine Regierung es verantworten, ihren Untertanen einen Festtag aufzudrücken, von dem sie weiß, daß wenigstens zwei Fünftel davon in der deutschen Heimat und vier Fünftel aller Auslandsdeutschen demselben unsympathisch gegenüberstehen?“ Daß dich! Wird das deutsche Blatt in Asuncion von einem Indianer redigiert? Oder von einem Galizier?
     Aber nein, ein polnischer Jude wird kein solches Deutsch verbrechen, auch wenn er erst gestern auf dem Schlesischen Bahnhof angekommen ist.
     Greifen wir also wieder zur „Judenpresse“. Da bekommen wir wenigstens gutes Deutsch zu hören.

    1927, 40  Rauschnabel



Rassenkunde

     Kuno S. studierte in München. In irgendeinem Kolleg — es kann ebensowohl ein mathematisches als ein chemisches gewesen sein, es hat sich ja bei unseren Wissenschaftlern aller Fakultäten längst eingebürgert, die „Rassenkunde“ zum integrierenden Bestandteil ihrer Lehre zu machen, Beziehungen findet man schon — zählte der Professor die anatomischen und sonstigen Kennzeichen der Germanen auf.
     „Wollen Sie so freundlich sein, einmal nach vorn zu kommen — der Herr in der zweiten Reihe, ja?“
     Kuno kam nach vorne. Und ließ sich durch den Herrn Dozenten aufgrund seiner Schädelform, seiner Körpermaße und Gliederproportionen als Typus des Germanen ausrufen.
     Als der Herr fertig war, sagte er: „Darf ich der Ordnung halber darauf aufmerksam machen, daß ich Jude bin?“
     1929, 46  Jack
aus Erich Schairers
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Eine kleine Auswahl

Gedichte

Kurz und bündig

Politische Karikatur


Zum geschichtlichen
Hintergrund:
Zeittafel zur
Weimarer Republik





Der nebenstehende Artikel erschien in der von Erich Schairer herausgegebenen Sonntags-Zeitung zur Zeit der Weimarer Republik in den Jahren 1920 bis 1933.
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Autor dieser Seite: schairer@z.zgs.deA. Schairer
Letzte Änderung: 2006-08-02
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