Der Gestellungsbefehl

Mufti wird bei Ausbruch eines Krieges
durch ein amtlich Formular betroffen,
das ihm schroff erklärt, man wolle hoffen,
zur Erreichung des geplanten Sieges

werde ohne weiteres auch er
sich gleich vielen vorbestimmten Helden
morgen in der X-Kaserne melden
zwecks Empfang von Soldbuch und Gewehr.

Mufti schreibt dem Schreiber dieses Schreibens:
„Nein, mein Herr, ich kann mich nicht bequemen,
an geplantem Kriege teilzunehmen,
weil ein Gegner solchen Heldentreibens.

Selbst wenn ich, wie Sie, beteiligt würde
an dem eventuellen Reingewinn,
was ich, wie Sie wissen, ja nicht bin,
wär’s mir eine unerwünschte Bürde

Glauben Sie, mein Herr, nicht, daß ich schwanke:
zwar, Ihr Auftrag ehrt mich, doch ich danke.
Nähm‘ ich Dienst in Ihrem Unternehmen,
würd‘ ich mich bestimmt zu Tode schämen.“

„Dieser Mann,“ so spricht der Adressat
hocherstaunt, zur Ordonnanz gewandt,
„schätzt wahrhaftig nicht den Heldentod
für das angelernte Vaterland

dieser Mann, er scheint mir in der Tat,
Schulze, schaudern Sie: kein Patriot!“
Schulze knallt die Hacken — klapp! — zusamm‘.
„Unerhört, Herr Oberst!“ sagt er stramm.

1928, 48 Mufti Bufti

Am 3. August 2026 waren 70 Jahre seit dem Tod des Journalisten und Zeitungsherausgebers Erich Schairer im Schorndorfer Krankenhaus vergangen. Anlass, um die hier vorliegende, vor bald 30 Jahren begonnene Internetpräsenz etwas aufzufrischen. Hier publiziert sind Beiträge aus der 1920 von Erich Schairer in Heilbronn zunächst als „Die Heilbronner Sonntags-Zeitung“ gegründeten Wochenzeitung. Der Karikaturist Hans Gerner unterstreicht ab ca. 1925 mit seinen scharfen Holzschnitten den Kurs Erich Schairers „…gegen Kirchentum, Kapitalismus, Krieg und Gewaltherrschaft, für Geistesfreiheit, Gemeinwirtschaft, Gerechtigkeit und Frieden“. Ergänzend zu den Artikeln aus der Sonntags-Zeitung – deren Autoren mit einem * gekennzeichnet sind – wurden zahlreiche im Zusammenhang mit Erich Schairer stehende, von Zeitgenossen bzw. Nachkommen verfasste Beiträge in die hier vorliegende Sammlung aufgenommen.