Die Halbgötter

Manchmal möcht‘ ich gar zu gerne wissen,
wie sich das bei großen Herrn verhält,
ob die hin und wieder auch mal müssen,
und wie sich die Würde dazu stellt.

Was für ein Gesicht macht wohl der große
Takkur, wenn er das Papier ergreift,
oder Er, wenn Er die Marschallshose
zu bewußtem Zweck herunterstreift?

Wie benimmt sich dabei unser Gerhart?
Kennt er Goethes Haltung im W.C.?
Ist Stefan Georges Stuhlgang sehr hart,
oder jauchzt er dabei Evoe?

Wahrt die bonapartischen Gebärden
Mussolini auch, wo’s niemand sieht?
Kann’s die Denkerwürde wohl gefährden,
wenn Graf Keyserling die Strippe zieht?

Ob Diktator, Denker, Dichter, König,
keinem ist der Erdenrest geschenkt.
Und den Landmann schert die Herkunft wenig,
wenn er seine Wiesen damit tränkt.

1926, 39 Tyll

Am 3. August 2026 waren 70 Jahre seit dem Tod des Journalisten und Zeitungsherausgebers Erich Schairer im Schorndorfer Krankenhaus vergangen. Anlass, um die hier vorliegende, vor bald 30 Jahren begonnene Internetpräsenz etwas aufzufrischen. Hier publiziert sind Beiträge aus der 1920 von Erich Schairer in Heilbronn zunächst als „Die Heilbronner Sonntags-Zeitung“ gegründeten Wochenzeitung. Der Karikaturist Hans Gerner unterstreicht ab ca. 1925 mit seinen scharfen Holzschnitten den Kurs Erich Schairers „…gegen Kirchentum, Kapitalismus, Krieg und Gewaltherrschaft, für Geistesfreiheit, Gemeinwirtschaft, Gerechtigkeit und Frieden“. Ergänzend zu den Artikeln aus der Sonntags-Zeitung – deren Autoren mit einem * gekennzeichnet sind – wurden zahlreiche im Zusammenhang mit Erich Schairer stehende, von Zeitgenossen bzw. Nachkommen verfasste Beiträge in die hier vorliegende Sammlung aufgenommen.