Kategorie: Politische Morde

  • Archivalien E. J. Gumbel (ca. 1934-1966)

    übersetzt mit DeepL

    Leitfaden zu den Unterlagen von Emil Julius Gumbel, ca. 1934–1966

    Bibliothek der University of Chicago

    © 2006 Bibliothek der University of Chicago

    Beschreibende Zusammenfassung

    Titel: Gumbel, Emil Julius. Unterlagen

    Zeitraum: ca. 1934–1966

    Umfang: 2 lineare Fuß (4 Kartons)

    Aufbewahrungsort: Hanna Holborn Gray Special Collections Research Center

    Bibliothek der University of Chicago

    1100 East 57th Street

    Chicago, Illinois 60637, USA

    Zusammenfassung: Die Emil-Julius-Gumbel-Papiere bestehen in erster Linie aus allgemeiner persönlicher Korrespondenz, die alphabetisch nach Korrespondenzpartnern geordnet ist und in den meisten Fällen eine Kopie von Gumbels Antwort enthält. Ebenfalls in der Sammlung enthalten sind Gumbels thematische Akten. Diese Akten beziehen sich größtenteils auf bestimmte Ereignisse und Aktivitäten, wie beispielsweise Gumbels Verbindung zum Office of Strategic Service.

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    Bei Zitaten aus dieser Sammlung lautet die empfohlene Zitierweise: Gumbel, Emil Julius. Unterlagen

    Biografische Anmerkung

    Emil J. Gumbel (1891–1966), ein mathematischer Statistiker, gehörte zu den vielen deutschen Intellektuellen, die sich dem Nazi-Regime widersetzten und aus ihrer Heimat flohen, in der Hoffnung, durch ihre Bemühungen im Ausland die Wiederherstellung einer demokratischen Regierung in Deutschland zu erreichen. Die Gumbel-Papiere spiegeln seine Verbindungen zu anderen Anti-Nazis wider sowie deren Aktivitäten, ihrem Heimatland dabei zu helfen, sich von den durch das Dritte Reich verursachten Verwüstungen zu erholen. Gumbel verbrachte seine frühen Lebensjahre in München, wo er Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwesen und Versicherungsmathematik sowie Mathematik und Statistik studierte. Er trat 1922 in die Fakultät der Universität Heidelberg ein und wurde im Laufe des folgenden Jahrzehnts sowohl für seine politischen Schriften als auch für seine wissenschaftliche Arbeit weithin bekannt. Seine politischen Ansichten waren weitgehend das Ergebnis eines entschiedenen Pazifismus, den er während seines Dienstes im Ersten Weltkrieg entwickelt hatte. In den 1920er Jahren verfasste er mehrere Bücher und Artikel, in denen er die militaristischen Ziele und die politische Einschüchterung durch rechte Kräfte aufdeckte, deren Einfluss in Deutschland damals zunahm, insbesondere durch die Freikorps und die junge Nationalsozialistische Partei. Infolge seiner Untersuchungen wurde Gumbel bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 aus der Heidelberger Fakultät entlassen. Die folgenden Jahre verbrachte er in Frankreich, wo er an den Universitäten von Paris und Lyon lehrte; nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich im Jahr 1940 emigrierte Gumbel nach New York City, wo er eine Stelle an der New School for Social Research erhielt.

    Gumbels Kenntnisse der deutschen politischen Verhältnisse ermöglichten es ihm, sich aktiv am Kampf gegen die Nationalsozialisten zu beteiligen. Aus den Unterlagen geht hervor, dass er häufig von Studenten, Wissenschaftlern und Regierungsbehörden, insbesondere vom Office of Strategic Services, um Rat gefragt wurde. Der Großteil der Korrespondenz in der Sammlung stammt aus den 1940er Jahren; in dieser Zeit pflegte Gumbel weiterhin seine Verbindungen zu ehemaligen Kollegen in Europa, Nord- und Südamerika. Die Unterlagen umfassen den Briefwechsel mit mehreren Freunden, denen er zur Flucht vor den Nazis verhalf, sowie mit Weggefährten wie Otto Lehmann-Russbuldt, dem Präsidenten der Deutschen Liga für Menschenrechte, und Paul von Schoenaich von der Deutschen Friedensgesellschaft. Gumbels Engagement nach dem Krieg für den Wiederaufbau Deutschlands, das Wohlergehen seiner Landsleute und sein Widerstand gegen die deutsche Wiederaufrüstung sind in den Unterlagen ebenfalls durch Korrespondenz und öffentliche Erklärungen wie seine „Erklärung gegen deutsche Aufrüstung“ dokumentiert.

    Gumbel lehrte bis zu seinem Tod im Jahr 1966 weiterhin an der New School und anderen New Yorker Einrichtungen.

    Anmerkung zum Umfang

    Die Emil-Julius-Gumbel-Papiere bestehen in erster Linie aus allgemeiner persönlicher Korrespondenz, die alphabetisch nach Korrespondenzpartnern geordnet ist und in den meisten Fällen eine Kopie von Gumbels Antwort enthält. Ebenfalls in der Sammlung enthalten sind Gumbels Themenakten. Diese Akten beziehen sich größtenteils auf bestimmte Ereignisse und Aktivitäten, wie beispielsweise Gumbels Verbindung zum Office of Strategic Service.

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    Weiterführende Ressourcen

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    Gumbels wissenschaftliche Arbeiten, die sich auf Ordnungsstatistik konzentrieren, insbesondere auf die Entwicklung und Anwendung der Theorie der Extremwerte, sind im Leo Baeck Institute in New York hinterlegt.

    Schlagwörter

    • Gumbel, Emil Julius, 1891–

    INVENTAR

    Serie I: Allgemeine persönliche Korrespondenz

    Kiste 1 Ordner 1 Korrespondenz A–B

    Altschul, Eugen

    American Civil Liberties Union

    Das Andere Deutschland

    Aufbau

    Balch, Emily G.

    Baldwin, Roger

    Becher, Johannes R.

    Becker, Hertha

    Berger, Erwin

    Brinitzer, Maria

    British Press Service

    Brown, Lyndon O.

    Buek, Otto

    Bürger, Ottmar

    Kiste 1 Ordner 2 Korrespondenz C–F

    Cerf, P.

    Comité National Français aux États-Unis

    The Commentary

    Committee for One Million

    Common Cause, Inc.

    Crabb, George A.

    Dejardin, G.

    Dora, Francis E.

    von Doss, Ilse Wolff

    Douglas, William O.

    Dover Publications

    Dunn, L.C.

    Eichler, Willi

    Emersleben, Otto

    Falck, Carl

    Box 1 Ordner 3 Falk, Alfred

    Box 1 Ordner 4 Falk, Alfred

    Box 1 Ordner 5 Korrespondenz F–K

    Flanders, Ralf E.

    Fliess, Peter J.

    Franklin, Harry Lee

    Freymann, M.

    Fritsch, Mia

    Fröhlich, Rosi und Paul

    Gaffron, H. (Hons)

    Georgi, M.

    German-American Council

    Goetze

    Greenwood, M.

    Goldziher

    Hadamard, Jacques

    Hammer, Walter

    Hansome, Marius

    Hermann

    Hertz

    Hilger, Wilhelm Joseph

    Höfler, Heinrich

    Inoue, Kakutaro

    Jacobsen, Otto

    Kallman, H.

    Kelly, Edna F.

    Kempfert

    Box 1 Ordner 6 Kempner, Robert M.W.

    Box 1 Ordner 7 Korrespondenz K–L

    Kessman, Dorothy M.

    Kersten

    Klimpt, E.E.

    Kraschutzki, Heinz

    Kuczynski, Marguerite

    Kuester, Fritz

    Kun, Frederick

    Kuhn, Hermann

    LaCroix, Max

    Box 1 Ordner 8 Lehmann-Russbüldt, Otto

    Box 1 Ordner 9 Lehmann-Russbüldt, Otto

    Box 1 Ordner 10 Lehmann-Russbüldt, Otto

    Kiste 1 Ordner 11 Lehmann-Russbüldt, Otto

    Kiste 1 Ordner 12 Lehmann-Russbüldt, Otto

    Kiste 1 Ordner 13 Lehmann-Russbüldt, Otto

    Kiste 1 Ordner 14 Lehmann-Russbüldt, Otto

    Kiste 1 Ordner 15 Lehmann-Russbüldt, Otto

    Kiste 1 Ordner 16 Lehmann-Russbüldt, Otto

    Kiste 1 Ordner 17 Lehmann-Russbüldt, Otto

    Kiste 1 Ordner 18 Lehmann-Russbüldt, Otto

    Kiste 1 Ordner 19 Korrespondenz L-M

    Leroux

    Lloyd, D.

    Löwenthal, Fritz

    Luschnat

    Macmillan Co.

    Universität Magdeburg, Philosophische Fakultät

    Meyer, Albert Willy

    Middleman, W.

    Moch, Jules

    Morse, Wayne

    Munter

    Box 2 Ordner 1 Korrespondenz N–R

    Nathan, Otto

    Nation

    Nationaler Rat zur Kriegsverhütung

    Nielsen, William Allan

    New York Times

    Norden, Albert

    Oelze, Werner

    Oriender, Anita

    Paetel, Karl

    Pearson, E.S.

    Penham, Daniel F.

    Perrin, Francis

    Pollock, Frederick

    Radbruch, Gustav

    Kiste 2 Ordner 2 Korrespondenz R

    Reisner, Konrad

    Rhein-Neckar-Zeitung

    Riebel, Paul

    Rosenfeld, Kurt

    Kiste 2 Ordner 3 Korrespondenz S

    Saffron, H. (Hans)

    Salomon, Esme

    Schairer, Reinhold

    Scheer, Maximilian

    Schoenaich, Freiherr von

    Schoenbaum, E.

    Schramm, Hanna

    Kiste 2 Ordner 4 Schwarz, Arthur

    Kiste 2 Ordner 5 Schwarz, Arthur

    Kiste 2 Ordner 6 Schwarz, Arthur

    Kiste 2 Ordner 7 Korrespondenz S

    Sellin, Thorsten

    Senzig, Guido

    Seydewitz, Max

    Simon, Hugo

    Stern, Catherine

    Sternthal, Frederick

    Studenic, Hubert

    Kiste 2 Ordner 8 Korrespondenz T–W

    Taube, Arthur

    Thomson, William M.

    Uhlmann, Carla

    Van Abbe, Derek

    Wedel

    Weil, Bruno

    WMCA, Sender

    Writer’s War Board

    Wolff, Arthur

    Kiste 2 Ordner 9 Nicht identifizierte Korrespondenz und Unterlagen

    Serie II: Thematische Akten

    Kiste 2 Ordner 10–17 Akademische Angelegenheiten

    Korrespondenz und Unterlagen zu Gumbels Tätigkeit an der New School for Social Research und anderen Einrichtungen, Förderanfragen bei Stiftungen sowie verschiedene Verwaltungsunterlagen. Ca. 1940–66.

    Kiste 3 Ordner 1–11 Die Bergstraesser-Affäre

    Korrespondenz, Stellungnahmen und Zeitungsausschnitte zu Gumbels Rolle bei den Ermittlungen gegen Arnold Bergstraesser, einen deutschen Einwanderer, der am Scripps College und an der University of Chicago lehrte. Bergstraesser, der der Sympathie für die Nazis verdächtigt wurde, wurde zweimal von den Bundesbehörden interniert, und seine akademischen Anstellungen sorgten für große Kontroversen. Ca. 1940–45.

    Kiste 3 Ordner 12 Lebensläufe und Bibliografien von Gumbels Veröffentlichungen, bis ca. 1939.

    Kiste 4 Ordner 1–2 École Libre des Hautes Études

    Korrespondenz und Unterlagen zu Gumbels Verbindung mit der École Libre des Hautes Études, einem 1942 in New York City von französischsprachigen Einwanderern gegründeten Forschungs- und Studieninstitut. Ca. 1942–45.

    Kiste 4 Ordner 3 Erklärung gegen die deutsche Wiederaufrüstung

    Entwürfe und Korrespondenz zu einer öffentlichen Erklärung gegen die deutsche Wiederaufrüstung, die von Gumbel verfasst und von vielen prominenten deutschen Wissenschaftlern mitunterzeichnet wurde. Die Erklärung erschien am 12. Juli 1952 in der New York Times.

    Kiste 4 Ordner 4 Universität Hamburg, Gastprofessur.

    Korrespondenz und sonstige Unterlagen, die Gumbel während seiner Tätigkeit als Gastprofessor an der Universität Hamburg im Jahr 1964 verfasste und erhielt.

    Kiste 4 Ordner 5 Ligue des Croits de l’Homme, Kongress in Lyon, 1934. Korrespondenz, Erklärungen und Zeitungsausschnitte bezüglich Gumbels Teilnahme an der Regionalkonferenz der Ligue. Eine Fehlinterpretation seiner Äußerungen auf der Konferenz durch die französische Presse löste eine Kontroverse darüber aus, ob eine Fortsetzung von Gumbels Anstellung an der Universität Lyon wünschenswert sei. 1934.

    Kiste 4 Ordner 6 Memoiren. Kurze Memoiren mit Gumbels Reflexionen über sein Leben und die Ereignisse, die er miterlebte und an denen er teilnahm. Undatiert.

    Kiste 4 Ordner 7 Stellungnahmen

    Transkript eines Radiointerviews mit Gumbel zum Thema der deutschen Politik vor dem Krieg. 1944.

    Gespräch zwischen Gumbel und Dr. Siegfried Aram über die deutsche Politik der Vorkriegszeit. Ohne Datum.

    Stellungnahme einer unbekannten Quelle zum Wiederaufbau Deutschlands. Ohne Datum.

    Dokument aus unbekannter Quelle mit dem Titel „Der Tod des Hermann Friede“. Ohne Datum.

    Öffentliche Erklärung zur Notwendigkeit des Wiederaufbaus Deutschlands, unterzeichnet von zahlreichen prominenten deutschen Emigranten. Gumbels Unterschrift fehlt. [1945.]

    Kiste 4 Ordner 8–9 Office of Strategic Services. Korrespondenz und Unterlagen im Zusammenhang mit Gumbels Tätigkeit für das OSS. Während des Zweiten Weltkriegs hatte er für das OSS Berichte über die Aktivitäten subversiver deutscher politischer Gruppen in den 1920er- und 1930er-Jahren verfasst, insbesondere über die NSDAP und die Freikorps. Ca. 1940–45.

  • Mörderische Statistik

    [15.02.2016] Emil Julius Gumbel hat um 1920 politisch motivierte Morde untersucht und stellte fest: Die Justiz ist auf dem rechten Auge blind. Mehr als 350 rechtsextremen Morden standen rund 20 linksextreme gegenüber. Linke Täter bekamen Todesurteile, rechte im Schnitt nur vier Monate Haft. Sein Buch wurde von den Nazis verbrannt, jetzt ist es wieder da.

    Von Otto Langels

    Der Justiz der Weimarer Republik wird nachgesagt, sie sei „auf dem rechten Auge blind“ gewesen und habe damit als rechtsstaatliche Institution versagt. Rechtsextreme Straftäter hätten kaum etwas zu befürchten gehabt, während Staatsanwälte und Richter Linksextremisten rigoros verfolgt und bestraft hätten. Emil Julius Gumbel, ein junger Mathematiker und Statistiker, untermauerte diese These bereits 1922 in einer Aufstellung der politischen Morde in den Jahren 1919 bis 1922. Seine Recherchen veröffentlichte er unter dem Titel „Vier Jahre politischer Mord“ und setzte damit sein Leben aufs Spiel.

    „Der Arbeiter Piontek wurde am 12. März 1919, angeblich, weil er sich geweigert hatte, einem Soldaten Feuer zu geben, verhaftet, und in der Normannenstraße von dem Gefreiten Ritter und dem Unteroffizier Wendler erschossen. Am 31. Januar 1922 verurteilte das Schwurgericht Ritter wegen versuchten Totschlags mit mildernden Umständen zu 3 Jahren Zuchthaus, Wendler wurde freigesprochen.“

    Der Mord an dem Arbeiter Piontek ist einer von mehreren hundert Fällen, die Emil Julius Gumbel in seiner Schrift „Vier Jahre politischer Mord“ auflistet. Akribisch sammelte der 1891 in München geborene Mathematiker Daten und Fakten über alle politischen Gewaltverbrechen, von rechts wie von links. Er beschrieb detailliert die Tat, nannte, soweit bekannt, die Namen der Mörder und Auftraggeber sowie die strafrechtlichen Folgen. Dabei berücksichtigte Gumbel die Umstände jedes einzelnen Mordes aus den Jahren 1919 bis 22:

    „Ich habe nur solche Fälle aufgenommen, wo die erschießende Partei nicht behauptet hat, dass sie von der Menge angegriffen wurde.“

    Emil Julius Gumbel fasste die Fälle in Tabellen zusammen. Das Ergebnis ist bedrückend: 354 rechtsextremen Morden, hauptsächlich verübt von ehemaligen Soldaten und Freikorps-Angehörigen, stehen 22 linksextreme Morde gegenüber. Noch erschreckender ist die Sühne der Verbrechen. Die Gerichte verhängten bei linken Tätern zehn Todesurteile, in den übrigen Prozessen betrug die durchschnittliche Haftstrafe 15 Jahre pro Mord, rechte Mörder kamen mit durchschnittlich vier Monaten Haft davon.

    „Am 10. März kamen zu dem jungen Kurt Friedrich, 16 Jahre, seine beiden Freunde Hans Galaska, 16 Jahre, und Otto Werner, 18 Jahre, in die Wohnung der Mutter des Friedrich zu Besuch. Die drei jungen Menschen hatten sich nie mit Politik beschäftigt. Sie waren kaum zusammen, als acht Regierungssoldaten auf Grund einer Denunziation ankamen. Sie erklärten die drei jungen Menschen für verhaftet und führten sie ab. Nach zwei schrecklichen Tagen des Wartens fand Frau Friedrich die drei jungen Freunde im Leichenschauhaus als Tote wieder. Es erfolgte weder gegen die beteiligten Mannschaften noch gegen die verantwortlichen Offiziere ein Verfahren.“

    Das Reichsjustizministerium bestätigte zwar die Angaben Gumbels, aber seine aufrüttelnde Bilanz blieb folgenlos, nicht ein einziger Mörder wurde auf Grund der Recherchen Gumbels bestraft. 1924 fasste der Mathematiker seine Statistiken in einem bitteren Fazit zusammen:

    „Es ist amtlich bestätigt, dass in Deutschland seit 1919 mindestens 400 politische Morde vorgekommen sind. Es ist amtlich bestätigt, dass fast alle von rechtsradikaler Seite begangen wurden, und es ist amtlich bestätigt, dass die überwältigende Zahl dieser Morde unbestraft geblieben ist.“

    Bevor Emil Julius Gumbel mit seiner Veröffentlichung Anstoß erregt, hat sich der Sozialdemokrat als erklärter Kriegsgegner und Pazifist bereits den Hass rechtsradikaler Kreise zugezogen: Im März 1919 taucht ein Offizier der Garde-Kavallerie-Schützendivision mit zehn bewaffneten Männern in seiner Berliner Wohnung auf, um ihn als „Schädling“ standrechtlich zu erschießen. Gumbel hat Glück, er befindet sich gerade im Ausland. Die Soldaten verwüsten und plündern daraufhin seine Wohnung. Ein Jahr später schlägt ihn ein rechtsradikaler Mob während einer Versammlung der Deutschen Friedensgesellschaft blutig nieder. Dennoch veröffentlicht er die Statistik der politischen Morde und riskiert damit sein Leben.

    1923 wird Gumbel Privatdozent für Statistik an der Universität Heidelberg, er zieht sich jedoch schon bald den Zorn rechter Studenten und konservativer Professoren zu, als er bei einer Friedensversammlung vom „Feld der Unehre“ spricht. Die Universität leitet sogleich ein Disziplinarverfahren gegen ihn ein, es endet glimpflich, aber die Fakultät lässt es sich nicht nehmen, ihn als „ausgesprochene Demagogennatur“ zu bezeichnen. Als er im Mai 1932 die Figur einer Kohlrübe für ein Kriegerdenkmal vorschlägt, ist die Empörung groß, die Universität entzieht ihm umgehend wegen „Unwürdigkeit“ die Lehrbefugnis.

    1991 stellte die Hochschule zu seinem 100. Geburtstag klar:

    „Die Universität handelte falsch und beging Unrecht, als sie Gumbel ausschloss.“

    Emil Julius Gumbel wird noch im selben Jahr Gastprofessor in Paris, und das rettet ihm als Juden womöglich das Leben. 1933 verbrennen die Nazis seine Bücher, darunter „Vier Jahre politischer Mord“. Er selbst wird ausgebürgert.

    „Ich empfinde es als große Ehre, dass ich wegen meiner Veröffentlichungen über die Schwarze Reichswehr und die politischen Morde bereits auf die erste Ausbürgerungsliste kam.“

    Schreibt er Jahre später.

    1940 flieht Emil Julius Gumbel vor den Nazis in die USA, dort hält er sich mühsam mit Lehraufträgen über Wasser. Nach dem Krieg möchte er nach Deutschland zurückkehren, aber an seiner alten Heidelberger Universität ist er nicht willkommen. Lediglich die Freie Universität Berlin bietet ihm eine Gastprofessur. Als er 1966 in New York stirbt, würdigt ihn keine deutsche Zeitung.

    Dabei hat Emil Julius Gumbel mit „Vier Jahre politischer Mord“ bereits Anfang der 1920er Jahre eindringlich auf die hemmungslose mörderische Gewalt von rechts hingewiesen. Er hat zugleich auf das Versagen der Justiz aufmerksam gemacht und damit frühzeitig zwei Ursachen für das spätere Scheitern der Weimarer Republik benannt.

    Emil Julius Gumbel: Vier Jahre politischer Mord.
    Reprint der Originalausgabe von 1922.
    Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg, 1980. 360 Seiten, 12,80 Euro

    Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/moerderische-statistik-gewalt-von-rechts.1310.de.html?dram:article_id=345863

    Siehe auch…

    Die Leerstelle

    Die NS-Verfolgung queerer Menschen wurde lange nicht anerkannt. Wegen staatlicher Repression machten Überlebende ihr Leid nicht öffentlich. So auch Kurt Koch, der vier Konzentrationslager überlebte.

    https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/578025/die-leerstelle