Kategorie: Gedichte
-
Frau Momm
— Jg. 1930, Nr. 12 — Ihr Mann ist in Potsdam Regierungspräsident,Justizrat ist ihr Herr Schwager, ihr Schwiegersohn gar ist Ministerialdezernentaus mächtig feudalem Lager.Wie Sie sehen, gehört die gute Frau Mommzu den allerbesten Kreisen.Die Dame ist überdies kolossal fromm,so fällt es nicht schwer, zu beweisen,daß sie das mit dem fraglichen Silbergeschirrnicht aus gemeinen Motiven gemacht,sondern…
-
Das sogenannte neue Jahr
Die Zeit der Rück- und Aus- und Seitenblicke ist wieder da, zur Freude der Pastoren, der Männer von der Börse und der Politike. Bilanzen werden massenhaft geboren, so seelischer als geldlicher Natur; man hat gewonnen und man hat verloren – bilanzenfrei ist einer nur: der Weise, der nicht hatte, hat, noch haben wird, mufti-buftinisch weitertraben…
-
Die Leise
Angeregt durch den Genuß eines Konzerts,erfindet Mufti spielend, im Scherz,als Gegenstück zur Laute, die jeder kennt,ein angenehmes neues Musikinstrument:die Leise. Darauf begibt er sich unverzüglich auf die Reise.Er macht eine Gastspieltournee durch die Republikund begründet auf ihr den Ruhm der tonlosen Musik,indem er nach hergebrachter Weisein allen besseren Orten konzertiertund auf seiner prachtvoll schweigenden Leiseden…
-
Die Halbgötter
Manchmal möcht‘ ich gar zu gerne wissen, wie sich das bei großen Herrn verhält, ob die hin und wieder auch mal müssen, und wie sich die Würde dazu stellt. Was für ein Gesicht macht wohl der große Takkur, wenn er das Papier ergreift, oder Er, wenn Er die Marschallshose zu bewußtem Zweck herunterstreift? Wie benimmt…
-
Der Gestellungsbefehl
Mufti wird bei Ausbruch eines Kriegesdurch ein amtlich Formular betroffen,das ihm schroff erklärt, man wolle hoffen,zur Erreichung des geplanten Sieges werde ohne weiteres auch ersich gleich vielen vorbestimmten Heldenmorgen in der X-Kaserne meldenzwecks Empfang von Soldbuch und Gewehr. Mufti schreibt dem Schreiber dieses Schreibens: „Nein, mein Herr, ich kann mich nicht bequemen,an geplantem Kriege teilzunehmen,weil…
-
Die Bett-Schildkröte
In höheren Jahren befaßte sich Goethemit der Erfindung der Bett-Schildkröte . . . Denn wird der Mensch erst etwas älter,dann werden auch die Beine kälter.Und was den p. t. Bettschatz betrifft,so will man die nötigen Kaloriennunmehr doch lieber in Ruhe beziehenund hat ihn drum kurzerhand ausgeschifft. Tjaja . . . Und die üblichen Wärmekruken,die haben…
-
Aufwertung
Wer immer Treu und Redlichkeitgeübt hat bis zum Grab,dem nahm der Staat in „großer“ Zeitden letzten Groschen ab. Heut zahlt er seine Dankesschuldmit Zins und Zinseszins . . .Auch ihr kommt dran, habt nur Geduld,Gevatter Kunz und Hinz! Die Schlotbarone an der Ruhrsind grad wie der in Doornund Lindström, der nach Schweden fuhr,voll aufgewertet wor’n.…
-
Wahltag
Wie herrlich ist’s, ein freies Volk zu sehen, das sich in eignem Namen stolz regiert — von acht bis fünf — indem es schwarz markiert die Auserwählten, die auf Listen stehen! Ha, solches Tun erfüllt die innern Zonen mit dem Bewußtsein höchsten Menschenwerts; im Herzen, wo die Hochgefühle wohnen, dampft es vor Stolz und brodelt…
-
Repräsentation
Die Herren in Frack und gestärkter Brust, geschniegelt, gebügelt und selbstbewußt, im Knopfloch die Chrysantheme. Die Damen in Seide und Krepp-Sateng, geschminkt und gepudert und, huch, so mongdäng — mit einem Wort: Crême de la Crême! Und es tanzen mal rechts und es tanzen mal links, die Sorgen vergessen habend, die Müllers, die Löbes, die…
-
Mit Vorbehalt
„Ich treib’s nicht so wie allenthalb die tadelnswerte Menschensippe. Ich tanze nicht ums goldne Kalb . . .“ — Schon wölbt zum Lob sich meine Lippe. „Natürlich tut der Hunger weh“, fügst du hinzu. „Auch muß man wohnen. Und das bedingt denn je und je gewisse kleine Konzessionen.“ — Ach so . . . ja…