Wie herrlich ist’s, ein freies Volk zu sehen,
das sich in eignem Namen stolz regiert —
von acht bis fünf — indem es schwarz markiert
die Auserwählten, die auf Listen stehen!

Ha, solches Tun erfüllt die innern Zonen
mit dem Bewußtsein höchsten Menschenwerts;
im Herzen, wo die Hochgefühle wohnen,
dampft es vor Stolz und brodelt es und gärt’s.

Von acht bis fünf regiert das Volk sich selber,
als wüßt‘ es nichts von Pferch und Herdenvieh;
und jeder hält die anderen für Kälber,
und er allein ist klug und ein Genie.

Bis dann um fünf die Urnen sich entleeren
und sich enthüllt als Resultat des Tags:
daß alle alten Herren wiederkehren,
gefolgt von jungen Männern alten Schlags.

Und strahlend ziehen sie vor unsern Augen
und hoch erhaben in das Parlament;
sie haben’s schriftlich, daß sie etwas taugen
und daß man ihre Weisheit anerkennt.

Wir aber atmen auf, beglückt zu wissen,
daß andere des Selbstregierens Last
von uns zu nehmen eifervollst beflissen;
mag nun die Sorgen tragen, wem das paßt —
wir wühlen uns befriedigt in die Kissen.

1928, 22 Mufti Bufti

Am 3. August 2026 waren 70 Jahre seit dem Tod des Journalisten und Zeitungsherausgebers Erich Schairer im Schorndorfer Krankenhaus vergangen. Anlass, um die hier vorliegende, vor bald 30 Jahren begonnene Internetpräsenz etwas aufzufrischen. Hier publiziert sind Beiträge aus der 1920 von Erich Schairer in Heilbronn zunächst als „Die Heilbronner Sonntags-Zeitung“ gegründeten Wochenzeitung. Der Karikaturist Hans Gerner unterstreicht ab ca. 1925 mit seinen scharfen Holzschnitten den Kurs Erich Schairers „…gegen Kirchentum, Kapitalismus, Krieg und Gewaltherrschaft, für Geistesfreiheit, Gemeinwirtschaft, Gerechtigkeit und Frieden“. Ergänzend zu den Artikeln aus der Sonntags-Zeitung – deren Autoren mit einem * gekennzeichnet sind – wurden zahlreiche im Zusammenhang mit Erich Schairer stehende, von Zeitgenossen bzw. Nachkommen verfasste Beiträge in die hier vorliegende Sammlung aufgenommen.