Das sogenannte neue Jahr

Die Zeit der Rück- und Aus- und Seitenblicke
ist wieder da, zur Freude der Pastoren,
der Männer von der Börse und der Politike.
Bilanzen werden massenhaft geboren,
so seelischer als geldlicher Natur;
man hat gewonnen und man hat verloren –
bilanzenfrei ist einer nur:
der Weise, der nicht hatte, hat, noch haben wird,
mufti-buftinisch weitertraben wird,
wie er getrabt seit soundsoviel Jahren:
Zaungast des Lebens, da wo andere tafeln,
auf nackten Sohlen, wo sie Auto fahren,
vergnügter Lacher, wo sie Mystik schwafeln,
mit leeren Taschen, wo sie Schecks ausstellen,
zerschlißner Vagabund, wo sie im Smoking glänzen,
bemalter Clown, wo sie von Titeln schwellen
und ihre Brust mit Ordenspracht bekränzen.
In diesem Sinne sagt er sich: Sei heiter
und wurstle wie im alten Jahre weiter!

1925, 2 Mufti Bufti

Am 3. August 2026 waren 70 Jahre seit dem Tod des Journalisten und Zeitungsherausgebers Erich Schairer im Schorndorfer Krankenhaus vergangen. Anlass, um die hier vorliegende, vor bald 30 Jahren begonnene Internetpräsenz etwas aufzufrischen. Hier publiziert sind Beiträge aus der 1920 von Erich Schairer in Heilbronn zunächst als „Die Heilbronner Sonntags-Zeitung“ gegründeten Wochenzeitung. Der Karikaturist Hans Gerner unterstreicht ab ca. 1925 mit seinen scharfen Holzschnitten den Kurs Erich Schairers „…gegen Kirchentum, Kapitalismus, Krieg und Gewaltherrschaft, für Geistesfreiheit, Gemeinwirtschaft, Gerechtigkeit und Frieden“. Ergänzend zu den Artikeln aus der Sonntags-Zeitung – deren Autoren mit einem * gekennzeichnet sind – wurden zahlreiche im Zusammenhang mit Erich Schairer stehende, von Zeitgenossen bzw. Nachkommen verfasste Beiträge in die hier vorliegende Sammlung aufgenommen.