Gumbels Enthüllungs-Buch

— DER SPIEGEL 33/1981 —

Als 1966 im amerikanischen Exil der jüdische Pazifist Emil Julius Gumbel starb, haben die deutschen Zeitungen geschwiegen. Weil Gumbel immer noch der Makel anhaftete, ein „Landesverräter“ zu sein? Seit einiger Zeit erinnert der Heidelberger „Verlag Das Wunderhorn“ an den linken Moralisten und Tucholsky-Freund, der in der ersten deutschen Republik Mathematik lehrte, die Schriften Bertrand Russells übersetzte, zweimal aus der SPD austrat und, noch bevor die Nazis ihn 1933 ausbürgerten, auf Betreiben der antisemitischen Studentenschaft bereits 1932 seine Heidelberger Professur verlor. Unter dem Titel „Vier Jahre politischer Mord“ hat „Das Wunderhorn“ eine 1922 erschienene Enthüllungs-Recherche wieder zugänglich gemacht, die, wie Arnold Zweig in der „Weltbühne“ schrieb, „in den Blutkeller der deutschen Reaktion hineinleuchtet“, dem Autor Landesverratsverfahren und eine (der Neuausgabe einverleibte) „Denkschrift des Reichsjustizministers“ eintrug, in der seine Anklagen fast durchweg bestätigt werden mußten. Aber Gumbels Buch macht nicht nur die Mörder namhaft; es rückt auch die doppelte Moral der deutschen Justiz ins Bild: „354 politische Morde von rechts; Gesamtsühne: 90 Jahre, 2 Monate Einsperrung, 730 M. Geldstrafe und 1 lebenslängliche Haft“; dagegen: „22 Morde von links; Gesamtsühne: 10 Erschießungen, 248 Jahre, 9 Monate Einsperrung, 3 lebenslängliche Zuchthausstrafen.“

Quelle: DER SPIEGEL 33/1981 http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14336404.html

Am 3. August 2026 waren 70 Jahre seit dem Tod des Journalisten und Zeitungsherausgebers Erich Schairer im Schorndorfer Krankenhaus vergangen. Anlass, um die hier vorliegende, vor bald 30 Jahren begonnene Internetpräsenz etwas aufzufrischen. Hier publiziert sind Beiträge aus der 1920 von Erich Schairer in Heilbronn zunächst als „Die Heilbronner Sonntags-Zeitung“ gegründeten Wochenzeitung. Der Karikaturist Hans Gerner unterstreicht ab ca. 1925 mit seinen scharfen Holzschnitten den Kurs Erich Schairers „…gegen Kirchentum, Kapitalismus, Krieg und Gewaltherrschaft, für Geistesfreiheit, Gemeinwirtschaft, Gerechtigkeit und Frieden“. Ergänzend zu den Artikeln aus der Sonntags-Zeitung – deren Autoren mit einem * gekennzeichnet sind – wurden zahlreiche im Zusammenhang mit Erich Schairer stehende, von Zeitgenossen bzw. Nachkommen verfasste Beiträge in die hier vorliegende Sammlung aufgenommen.