Am 3. August 2026 sind siebzig Jahre seit dem Tod Erich Schairers vergangen.
Erich Schairer gründet 1920 im Alter von 32 Jahren in Heilbronn die „Sonntags-Zeitung“. (Von Januar bis Oktober 1920 erscheint sie unter dem Titel „Heilbronner Sonntags-Zeitung“, von da bis Oktober 1922 als „Süddeutsche Sonntags-Zeitung“, seither heißt sie nur noch „Die Sonntags-Zeitung“) Im Sommer 1925 verlegte er den Sitz des wöchentlich erscheinenden (und zunächst noch nicht inseratenfreien) Blatts nach Stuttgart in die Lange Straße.
Sein Partner und Mitherausgeber Josef Eberle (eine Entdeckung Schairers!) hat ihn um 30 Jahre überlebt – und rückte im Narrativ über die frühen Jahre der „Stuttgarter Zeitung“ zunehmend als Solotänzer ins Rampenlicht, während gleichzeitig die Erinnerung an Erich Schairers Anteil an den ersten Jahren der Entwicklung der führenden Tageszeitung im Südweststaat zunehmend verblasste.
Schairer war nicht ehrenkäsig. Er glänzte mit seiner unerschütterlichen Haltung. Das Bundesverdienstkreuz, das ihm in der Ära Adenauer/Heuss verliehen werden sollte, lehnte er ab.
Schairer war Anfang der Fünfziger darauf aufmerksam geworden, dass das im Zweiten Weltkrieg nach Überlingen ausgelagerte Cotta-Archiv zum stückweisen Verkauf gelangen sollte und daher die Gefahr drohte, dass es auseinandergerissen und zerstückelt würde. Er hatte den unschätzbaren kulturellen Wert des Archivs in seiner Gesamtheit mit umfangreichen Beständen der Crème de la Crème der deutschen Literatur erkannt und hatte seine liebe Not, seinen Partner Eberle mit ins Boot zu holen, dem – bei aller humanistischen Bildung und Finesse – die Investition in unser deutsches kulturelles Welterbe durch Ankauf und Überführung des Archivs in das Deutsche Literaturarchiv in der Schiller-Geburtsstadt Marbach am Neckar (Where Are The Horses?) schlicht zu teuer war.
Es fehlen mir handfeste Nachweise für diese Version, jedoch hatte ich Gelegenheit zahlreiche mündliche Zeugnisse (mittlerweile verstorbener) Zeitzeugen zu diesem Sachverhalt zu erhalten. Erich Schairer ließ es sich nicht nehmen das Archiv höchstpersönlich mit dem LKW in Überlingen aufzuladen und via Stuttgart nach Marbach zu bringen.