Schlagwort: Hermann Mauthe

  • Das Bärtchen

    Das Bärtchen

    — Jg. 1930, Nr. 42 —

    Wenn ich an den starken Mann denke, habe ich immer sein Bärtchen vor mir. Es ist kein Bart, mächtig hervorgeschossen im ungestümen Drang des Werdens zum martialischen Schnauz — nein, es ist eine Fliege, die sich nach ungewisser Fahrt auf einer Oberlippe niedergelassen hat. Auf der Oberlippe des werdenden Diktators.

    Da klebt es nun, das Bärtchen. Fühlt es sich glücklich? Ist ihm die Schere, die täglich die unkontrollierbaren Zigeunergelüste seiner Bartnatur beschneidet, die Erfüllerin heimlicher Sehnsüchte? Oder möchte es anders sein? Hat es etwa das Bedürfnis, sich zuweilen in Wut prahlerisch zu sträuben, oder träumt es verloren von kokett gezwirbelten Spitzen? Fühlt es sich fehl am Platze? Paßt ihm das Gesicht nicht, in das es da hineingeraten ist? Vielleicht zierte es lieber das modische Oblatengesicht eines Schaufensterdekorateurs, vielleicht daß es sich wahlverwandt fühlt den traurigen Rehaugen Chaplins. Sicher nistet an seinen Wurzeln der Groll, daß der Diktator nicht Maler geblieben ist, geziert mit kleidsamer Lavalliere-Crawatte, der Mund sanft geschwungen in sacharinsüßer Reserviertheit.

    Ja, das ist es wohl. Über unserem Bärtchen liegt ganz einfach die dumpfe Melancholie eines ganz und gar verfehlten Daseins. Die hoffnungsvolle Oberlippe seines Lebens ist plötzlich aus ihrer malerischen Reserve herausgerissen und steilt sich wild unter dem Anprall rhetorischer Brandung. Aus dem lnnern des ehemals so sanften Malers grollt es dumpf wie von drohenden Gewittern. Das zarte Bärtchen sieht die idyllischen Träume eines geruhsamen Ziergartendaseins jäh zerrinnen. Angstbeklekkert duckt es sich vor den donnernden Wortkaskaden gegen Juden, Sozi- und PazifistengesindeL Es klebt zerquetscht an der selbstgefällig gewordenen Oberlippe, während Militärkapellen brausend einfallen und paradegewohnte Beine die Erde erzittern machen. Weltgeschichte wird gemacht. Mit den billigen Mitteln, die in Deutschland üblich sind.

    Das Bärtchen, gänzlich undeutsch und verdattert bis in die Pigmentzellen der Haare, möchte ganz Fliege sein, um wegfliegen zu können. Aber das ist es nur im Sprachgebrauch. Darum muß es bleiben. Darum ist es wahrscheinlich einmal eine gewichtige Attraktion im Nationalmuseum des dritten Reiches, bewallfahrtet von staunenden Untertanen. Wenn es nicht den keineswegs abwegigen Gedanken in seinem Haargehege nährt, sich selbstmordend von der gehaßten Oberlippe zu tilgen durch die schmerzhaft eiternde Bartfinne, Sykosis vulgaris genannt. Zuzutrauen ist ihm das! Der Diktator sollte es beizeiten abrasieren lassen, ihm zum Heil und dem deutschen Volke zum bleibenden Gedächtnis.

    1930, 42 hm

  • Die Sozialisierung des Elends

    — Jg. 1923, Nr. 35 —

    Es ist ein Jammer mit dem untergehenden Bürgertum. Viele Damen können sich längst kein Dienstmädchen mehr leisten, müssen überall selbst Hand anlegen. Das ganze Leben wird aufgesogen im Kampf um die Lebenserhaltung; alle höheren Interessen treten zurück hinter den Sorgen um Kleinigkeiten. Es ist scheußlich! Das Leben hat so auf die Dauer keinen Sinn, man zermürbt sich dabei, verbraucht die besten Kräfte, wird matt und stumpf und energielos.

    So tönt es in mancherlei Variationen aus den bürgerlichen Blättern. Man bekommt nun doch hie und da zu fühlen, was Not ist. Und schon lamentiert man. Schon schreit man empfindlich auf. Nun, da man am eigenen Leibe spürt, was es erfordert, jahrelang im Elend dahinzuleben, weist man auf die Hölle hin, die in einem kärglichen Leben verborgen ist. Leider hat es dabei immer noch nicht den Anschein, als ob man daraus auch in Hinsicht auf unsere Wirtschaftsordnung oder vielmehr -unordnung seine Schlüsse zöge. Man denkt zuvörderst an sich!

    Das Proletariat lebt nun schon Jahrzehnte in Verhältnissen, in denen nun auch bürgerliche Kreise zu „versinken“ drohen. Man hat ihm sein Streben, aus diesem unwürdigen Leben herauszukommen, fürchterlich übelgenommen und dafür den Ausdruck Klassenkampf gewählt. Nun ist man selbst auf diesen Klassenkampf, soll heißen Kampf um ein menschenwürdiges Dasein, verfallen. Und man führt ihn viel einseitiger als das Proletariat. Denn das Proletariat hat in seinem Kampf ein Bild einer gerechten Gesellschaftsordnung vor sich hingestellt; die notleidende Bourgeoisie hat aber heute nur einen Gedanken, wieder das alte Herrenleben zurückzuholen. Dort kämpft man um Aufhebung von Vorrechten, hier um deren Erhaltung.

    Darum genießt das untergehende Kleinbürgertum keine Sympathie, weil es gänzlich ideenlos nur auf sich bedacht ist. Und darum geht es auch zu Grunde. Hätte man sich zu Beginn dieser nun so verfluchten Republik auf Seiten des arbeitenden Volkes gestellt, das Proletariat durch Sozialisierung der Wirtschaft zu sich heraufgehoben, man drohte heute nicht gemeinsam zu versinken. Man hat es nicht gewollt. Denn das Elend lag trotz Revolution in weiter Ferne. Nun ist man glücklich daran, an sich selbst zu Grunde zu gehen.

    Aber der Niedergang wird dieses Volk in seinen verschiedenen Teilen so wenig zusammenführen, wie der einstige fragwürdige Aufstieg. Sie stoßen heute in ihrer materiellen und sittlichen Not hart aufeinander, und es gibt wahrlich keinen guten Klang. Erretten könnte sie nur ein klein wenig Einfühlen in die Lage des anderen; aber das haben sie selbst noch nicht gelernt, da sie, wie sie uns vorjammern, schon selbst dem Elend preisgegeben sind. Man kann daraus vielleicht auch schließen, daß es im allgemeinen noch nicht gerade überwältigend fühlbar ist.

    1923, 35 · Frida Leubold

  • Das goldene Herz

    Das goldene Herz

    — Jg. 1931, Nr. 6 —

    Die Millionen Arbeitslosen, gestern noch am Rande der Verzweiflung, können wieder frohgemuter zu Bette gehen: die Regierung hat einen vielköpfigen Ausschuß gebildet, der über dem Problem der Arbeitslosigkeit brüten soll, und Damen der Berliner Gesellschaft haben eine ganz großartig aufgezogene „Winterhilfe“ arrangiert. Die Berliner Zeitungen sind voll von Berichten; man sieht auf Bildern prominente Persönlichkeiten der äußerst dekorativ wirkenden Sammeltätigkeit nachgehen; an den Straßenecken klappert die Sammelbüchse genau so wie in den Vergnügungslokalen; wer einigermaßen auf sich hält, greift in die Tasche und entdeckt sein goldenes Herz. Man trägt es auf dem rechten Fleck, nämlich am Rock angesteckt, weithin sichtbar, damit ja kein Zweifel darüber besteht, daß man mit von der Partie ist.

    Sicher wird auf die Art einiges zusammenfließen, und da diesmal, wie man glaubhaft versichert, der Apparat kaum Unkosten verursachen wird, so werden, wenn sich alle Hoffnungen erfüllen, auf den einzelnen Berliner Arbeitslosen wohl ein paar Mark kommen. Vielleicht aber auch bloß für die, die am miesesten dran sind. Es ist noch nicht ganz sicher. Es ist nicht alles Gold was glänzt, selbst wenn es auf „Herz“ gearbeitet ist, sondern manchmal nur Double.

    Nun, es kommt auch nicht so sehr darauf an. Ob man auf einen heißen Stein zwei oder sieben Tropfen Wasser träufelt, ist Jacke wie Hose. Scheußlich ist dies: daß der geräuschvoll kreisende nationale Berg ein ärmliches Wohlfahrtsmäuschen nach ganz altem Muster geboren hat, und daß die Opferbüchsen im Schatten eines Ausschusses klappern. Ausschüsse sind von jeher das Grab dringlicher Angelegenheiten gewesen, an dem sich aber immer wieder die alte dumme Hoffnung aufpflanzt. Bis der bescheidene Auftrieb, den sie jetzt erhalten hat, verpufft ist, wird man wohl über die schlimmsten Monate weg sein. Na, und dann wird Brüning oder sonst einer ein Sanierungsprogramm ausgeknobelt haben, mittels dessen man den Karren so langsam wieder aus dem Dreck bringt. Dabei wird man dann allerdings mehr das goldene Herz der unteren Schichten beanspruchen müssen, als das derjenigen, die heute im Vollgefühl einer guten Tat mit vergoldeten Anstecknadeln paradieren.

    Und die Massen lassen sich wieder mit der Schafsgeduld, die wirklich ein goldenes Herz vermuten läßt, zwischen den Ausplünderungen des Auf- und Abbaus und zwischen billigen Wohlfahrtsaktionen hin- und herschieben und schlagen sich hie und da, im Hochgefühl ihrer politischen Freiheit und ihres heiß erkämpften Rechts auf die Straße, gegenseitig die Schädel ein oder tragen stolz die Fahnen durch die Straßen. Währenddessen sitzen die anderen gemütlich in ihren Kontoren und in den Cafés und machen ihre Geschäfte auch in miesen Zeiten wie heute; auch in ganz schlechten; auch wenn ein großer Teil der andern schon längst draufgegangen ist. Die, die verkommen, haben eben ihr goldenes Herz am falschen Fleck, nämlich: am richtigen. Das bedeutet heute so viel wie: dumm und hoffnungslos.

    1931, 6 M.

  • Die Schamlosen

    — Jg. 1930, Nr. 47 —

    Im Simplizissimus stand neulich die bissige Anekdote von dem Herrn Geheimrat, der auf Befragen behauptet, es gehe ihm schlecht. „Aber warum denn schlecht, Herr Geheimrat?“, fragt ihn der Andere, und darauf erfolgt zürnend die Antwort: „Aus grundsätzlichen Erwägungen, mein Lieber.“

    Die Pointe wird den Technikern der deutschen Notgemeinschaft nicht gerade in den Kram passen, denn sie enthüllt dem, der es noch nicht wissen sollte, den ekelhaften Schmus, der jetzt wieder um den kommenden „Notwinter“ herum gemacht wird. Wenn sich die unteren Schichten den Riemen enger schnallen, fängt man weiter oben regelmäßig ein vaterländisches Geseires an. Die Leute, denen es verhältnismäßig noch recht gut geht, glauben, wenn sie auch mitjammerten, trügen die Proleten ihr Los leichter, und sie halten es sicher für eine ethisch wertvolle und patriotisch lobenswerte Tat, wenn aus „grundsätzlichen Erwägungen“ heraus ihr Klagelied erschallt, während den andern der Magen knurrt.

    In keinem andern Lande wäre diese famose Art, die Gegensätze zu überbrücken, möglich. Kein Prolet der Welt wird an eine Notgemeinschaft glauben, wenn sich ihm die gut gestellte und bestens gesicherte Mittelschicht im patriotischen Mäntelchen anbiedert, um mit ihm gemeinsam auf die Paradeverdiener zu schimpfen, die man als Prellbock vorschiebt: die „pensionswütigen“ Minister und die klotzig verdienenden Aufsichtsräte. Es ist einfach heuchlerisch, wenn gewisse Kreise so tun, als nage in Deutschland mit wenigen Ausnahmen alles am gleichen Hungertuch.

    Leute, die auf exponierten Posten stehen, sollten wenigstens den Rummel nicht mitmachen. Was soll man dazu sagen, wenn heute Pfarrer von der Kanzel herunter von der Not sprechen, durch die „wir“ hindurchmüssen, wenn sie so tun, als ob sie, die bestens Versorgten und Gesicherten, auch zu den Opfern der Zeit gehörten? Wohl kann man dem schafsgeduldigen deutschen Volk manches bieten, aber gewisse Anzeichen deuten darauf hin, daß es vielleicht eines Tages doch an der äußersten Grenze angelangt ist. Mir haben wiederholt alte Weiblein, die mit allgemeinen Redensarten zu lenken bei Gott leicht ist, wenn diese nur in der richtigen Sauce gereicht werden — mir haben solche in letzter Zeit mehrfach versichert, wie schön die Predigt des Herrn Pfarrer gewesen wäre, wenn er nicht immer so auffällig von einer gemeinsamenNot gesprochen hätte. Wenn die „Treuesten der Treuen“ hellhörig werden, sollte man schleunigst die nötigen Konsequenzen ziehen.

    Aber die Herren Pfarrer sind nicht die Einzigen, die sich zuweilen im Ton vergreifen. Mir blieb neulich die Luft weg, als vor Gericht ein gesetzter Vorsitzender dem miekrigen Angeklagten voll Ernstes erklärte, es gehe uns allen heute schlecht. Ich möchte wirklich nicht vor einem armen Kerl, der draußen auf der hoffnungslosen Provisionsreise (deren ganzes Risiko ihm aufgehalst ist) in größter Not seine Reisemuster versetzt und nun um Verständnis für eine solche Lage wirbt, ich möchte vor einem solchen Menschen um alles in der Welt nicht so dastehen wie dieser Richter.

    Merken alle diese Leute denn nicht, wie bodenlos traurig ihr Verhalten ist? Sie können von Glück sagen, daß sie ein so verdammt gutmütiges Volk zu bearbeiten haben. Man sollte jeden Einzelnen zwei Jahre lang an die proletarische Front abkommandieren, dorthin, wo es am miesesten ist. Vielleicht würden sie nachher nicht mit einer solch‘ schamlosen Selbstverständlichkeit sich der Not anbiedern, wie sie es heute weithin tun.

    1930, 47 m

  • Der zahme Adolf

    [Eine gewaltige Fehleinschätzung, wie sich herausstellen sollte…]

    Der staatenlose Maler Hitler laboriert immer noch an dem Nimbus herum, den er einmal in einer aufgeregten Zeit so en passant erworben hat. Vor einem Jahr hat er sich bemüßigt gefühlt, so etwas wie Erinnerungen von sich zu geben, aber ein Buch ist keine Radauversammlung, man merkt da selbst den breitspurigsten Redensarten an, auf wie schlechten Füßen sie einherhumpeln. Augenblicklich blüht neues Leben aus den nationalsozialistischen Ruinen. Herr Hitler redet und redet, wo man es ihm nur erlaubt. Neulich hat er auch in Stuttgart geredet. Zwei und eine halbe Stunde. Ach, war das ein Geseires! Wie der Mann zu seinem Ansehen gekommen ist, möchte ich auch wissen! Er hatte sich zur nötigen Dekoration malerische Gruppen aus dem ganzen Württemberger Ländle kommen lassen, selbst aus Bayern und Baden waren sie mit ihren neckischen Hakenkreuzfähnchen angerückt. War ein Mordsklamauk. Es ist ja so wenig, was Kinder freut! Als der große Adolf das Podium bestieg, brach die ganze Korona in ein Geheul aus, das ihrer arischen Abstammung alle Ehre machte. So also sieht eine Mussolinikopie aus! Ein in die Politik verirrter Friseur stand da oben und mühte sich, so gut es ging, Zusammenhänge sichtbar werden zu lassen. Gott, was muß der Mann alles zusammengelesen haben, bis sich dieser semmelblonde Brei ergeben hat! Sicher hat er sich tief, tief in alle erreichbaren Probleme hineingekniet, hat sich bis in die Biologie hineinverirrt, hat Bände um Bände gewälzt; da muß einer ja irre werden. Eines war herauszumerken: unbelehrbar ist der Mann nicht; nur dauert es ein bißchen lange, bis er hinter etwas kommt. Heute allmählich hat er kapiert, daß mit Gewalt und Terror sehr wenig zu machen ist; wenn die Hälfte des Volkes aus unbelehrbaren Marxisten und solchen Brüdern besteht und die andere aus miesen Nationalisten, dann fällt selbst Hitlers arisches Mannenherz in die Buxen. Dann wird auch der rabiate Adolf zahm wie ein Deutschdemokrat. Weil es also wie bisher nicht geht, hat ers mit jenem Optimiesmus, den jede pleite gegangene Bewegung kurz vor ihrem seligen Ende noch am Grabe aufpflanzt. Es braucht nicht erwähnt zu werden, daß es hier, entsprechend der ruhmreichen Vergangenheit, ein großschnäuziger Optimiesmus ist. Unser Hitler glaubt nämlich, daß sich die nationalsozialistische Bewegung von Jahr zu Jahr verdoppeln werde. In etwa 10 Jahren werden wir also ein einig Volk von Nazi-Sozi sein. Ein schöner Traum! Wenn diese Verdoppelung nur nicht jeweils durch Spaltung vor sich geht. So was kommt manchmal vor.

    1927, 20 hm

  • Wie ist denn das?

    — Jg. 1927, Nr. 7 —

    Wenn die Kuponschere auf dem Neuen Testament liegt?
    Wenn Heimatdichter von der Heimatlosigkeit leben?
    Wenn sich die Impotenz zum Sittenrichter erhebt?
    Wenn man Sonne im Herzen hat und kein Licht im Zimmer?
    Wenn Oberlehrer ohne Leitfaden durchs Leben wandeln?
    Wenn eine Republik einen solchen Reichswehrminister hat?
    Wenn einer Kriegsanleihe als mündelsicheres Papier gekauft hat?
    Wenn Stresemänner Friedenspreise bekommen?

    
1927, 7 Hermann Mauthe

  • Christus im Kino

    — Jg. 1923, Nr. 50 —

    Das „Kleine Theater“ in Heilbronn hat ein paar Tage lang als sinnige Abwechslung und „Vorbote des kommenden Weihnachtsfestes“, wie es in der Ankündigung so schön und pietätvoll heißt, Geburt, Leben und Leiden des Heilandes kurbeln lassen. Es hat seinen eigenen Reiz, auf derselben Leinwand, auf der Chaplin unter Beifallsgewieher seines Stammpublikums seine unbezahlbaren Plattfüße urkomisch in die Welt setzt und der Kultur-Absud einer verrückt gewordenen Epoche Tag für Tag einem hirnleeren Publikum vorgeflimmert wird, den von den Pfaffen beschlagnahmten Christus auf Kinomanier sein dornenvolles Leben abwandeln zu sehen.

    Das Ganze ist eine uferlose Geschmacklosigkeit. Sie gefällt also sicher. Eine schöne Legende ist wieder einmal unter die Hände geschäftstüchtiger Regisseure geraten und es ward in jeder Beziehung ein Kinostück daraus. Es ist nur schade um die an sich gewiß nicht uninteressanten Aufnahmen aus Palästina und Ägypten. Aber so bevölkert das übliche Statistenheer den Schauplatz, gruppiert sich malerisch um Golgatha und liegt sanft hingegossen am Ölberg herum. Und die Stars mühen sich krampfhaft, etwas von der Öldruck-Poesie spürbar zu machen, die in der Neuzeit über die Gestalt des Heilandes gegossen worden ist. Statt dem Weltenerlöser sieht man demgemäß den Typ eines Bielefelder Stadtmissionars und die „Mutter Gottes“ weint ihre Glyzerin-Tränen genauso virtuos wie alle andern Kinostars in allen andern Kinostücken […]

    Der Film ist so recht der Ausdruck unserer Zeit. Das ganze Jahr blühender Unsinn, Verbrechen, Morde, Erotik und nochmal Erotik, aber dann zum kommenden Weihnachtsfest, weils doch mal immer noch aktuell ist, ein bißchen das Leben und Leiden des Heilandes. Die Nuance darf man nicht missen. Sie paßt so großartig zu der Geschäftsreligiosität der Sonntagsschriften. Schickt eure Jungfrauen- und Jünglingsvereine hinein, es ist eine Geschmacklosigkeit nach eurem Sinne.

    1923, 50 M .

  • Die Miekrigen

    — Jg. 1930, Nr. 25 —

    Am armen Mann lernen nicht nur die Frisöre, sondern auch die Juristen ihr Handwerk.

    Man höre sich mal ein paar Tage lang in unseren Gerichtssälen die kleinen und kleinsten „Fälle“ an (die fast durchweg der allmählich beängstigenden Flut der Eigentumsdelikte angehören), und man wird nicht nur über die arrogante Weltfremdheit junger Staatsanwälte staunen können, sondern vor allem über die würdevolle Selbstverständlichkeit, mit der da die Rechtsprechung einer Gesellschaftsordnung gehandhabt wird, der in mancher Hinsicht schon selbst das Urteil gesprochen ist.

    Selbst durch die „mildernden Umstände“ hindurch grollt in den Urteilen die moralische Entrüstung einer Schicht, deren Gott der Privatbesitz ist; und da für den Bestand des heutigen Systems die Ehrlichkeit und Anständigkeit der kleinen Leute viel wichtiger ist als die der großen, sind die Strafen selbst für Lappalien oft mehr als gesalzen. Es ist eben hierzulande ratsamer, eine Stadtbank um zehn Millionen zu betrügen, als eine Fürsorgebehörde unter falschen Angaben um zehn Mark zu erleichtern. Denn dort wird lediglich der Reservefond einer Großbank in Mitleidenschaft gezogen, während hier der so wichtige Bestand miekriger Anständigkeit vermindert wird. Nichts wäre aber für unsere Gesellschaftsordnung gefährlicher als das. Denn schließlich lebt sie ja davon.

    Erschütternd ist es, wie Hunderttausende aus einem ärmlichen Arbeitsdasein ohne nennenswerten Versuch der Auflehnung und Empörung in das trostlose Hungerdasein der Arbeitslosigkeit übergehen. Wie sie sich dort gegen den endgültigen Absturz wehren und diesem Schicksal doch oft nicht entrinnen können. Im Gerichtssaal trifft man sie dann wieder. Die bürgerliche Gesellschaft, die sie erbarmungslos dem Labyrinth wirtschaftlicher Anarchie preisgegeben hat, lauert mit Argusaugen auf den ersten Schritt, der vom vorgezeichneten Weg abgeht, und es ist ihr bei ihrem scheinheiligen Drang nach „Gerechtigkeit“ völlig gleichgültig, ob dieser Fehltritt zwangsläufig erfolgt ist oder nicht. Sie kann sich auf solche Erwägungen gar nicht einlassen, denn sie würde damit den Ast absägen, auf dem sie sitzt.

    Und so marschieren sie denn täglich auf vor den Schranken des Gerichts, die kleinen Verbrecher aus Not, die bescheidenen Betrüger, die dilettantischen Darlehens- und Provisionsschwindler. Sie verteidigen sich mit kläglichen Ausreden und hören mit Unterwürfigkeit die Moralpauken des jungen Staatsanwalts, der, so mangelhaft auch seine Kenntnisse noch sein mögen, doch schon weiß, daß eine „gewisse Notlage“ immer noch keine genügende Entschuldigung für ungesetzliche Handlungen ist. Er und seine Kollegen vom Richtertisch kommen aus einer Gesellschaftsschicht, in der jeder durch ein weitverzweigtes Netz von „Beziehungen“ aller Art so getragen wird, daß normalerweise ein Untersinken gar nicht möglich ist; sie kennen nicht die völlige Isolierung des Proleten, den keine gesellschaftlichen Bindungen halten und dem sehr oft nur noch ein Weg übrig bleibt, der zwischen Fürsorge, Kriminalität und Selbstmord hin und her geht.

    Wenn dieser Klassenstaat auch nur ein wenig Fairneß kennen würde, müßte er allen diesen Handlungen die Entschuldigung der Notwehr zubilligen. Statt dessen befleißigt er sich aber einer heuchlerischen Strenge, die vom bedrängten Kleinen zuweilen sogar mehr Korrektheit im Handeln verlangt, als er dies bei ehrbaren Geschäftsleuten tut. Wenn z.B. ein Notleidender sich in den Möglichkeiten, erhaltene Darlehen zurückzuzahlen, getäuscht hat, verfällt er zehnmal leichter der Anklage und Verurteilung des Betrugs als der Geschäftsmann, der sich leichtsinnigerweise in seinen Transaktionen übernommen oder bei seinen Geschäften die schmale Grenze zwischen Erlaubtem und Strafbarem „versehentlich“ etwas überschritten hat.

    Eine Reform des Strafgesetzbuches wird an diesen Dingen nicht viel ändern können. Das kapitalistische System hat das Recht und die Richter, die zu ihm passen.

    1930, 25 · hm

  • Vereinsleben

    — Jg. 1925, Nr. 24 —

    Wir feiern gegenwärtig wieder ein bißchen viel Feste, trotzdem wir „durch und durch verarmt“ sind. Dabei ist ein sehr munter bewegtes Vereinsleben zu konstatieren.

    Das ganze Volk scheint sich manchmal in Vereine aufgelöst zu haben. Diese Vereine leben von dem Klamauk der periodischen Feste mit ihren öffentlichen Umzügen, Dauerreden und Banketts („Orden und Ehrenzeichen sind anzulegen“), den Wallungen und Ballungen künstlich gezüchteter Hochgefühle, den Kassenberichten, Rück- und Ausblicken. Die Ursache dieser Veranstaltungswut ist immer das kindliche oder kindische Bestreben, etwas zu gelten, etwas zu scheinen. Man will irgend eine bedrückende Situation durch den Tamtam großer Worte überwinden. Man sucht sich Beachtung zu verschaffen: durch Blechmusik und Aufmachung. Der Geist Wilhelms II. schwebt über dieser Republik.

    Ob sich ein General bei einem Regimentsappell dicke tut, oder ob ein Reserveoffizier in einer Gefreitenvereinigung sich einen Rahmen für sein bescheidenes Ehrgeizehen geschaffen hat — es ist im Grunde genau dasselbe, als wenn deutsche Mannen Hochtouristik auf völkische Art betreiben, oder Arbeiter durchaus proletarisch Mandolinen spielen. Patriotismus und Lokalpatriotismus überkugeln sich in edlem Wettstreit. Jedes Nest hat seine historischen Festspiele und feiert sie nach dem gleichen Klischee wie die Jahrtausendfeier am Rhein. Vorstände von Verschönerungsvereinen sprechen dabei wie Minister, und Minister zuweilen wie Vereinsvorstände. Landstriche besinnen sich in geräuschvoller Weise auf ihre Eigenart; Kulickes interessieren sich mächtig für ihren komplizierten Familienstammbaum und berufen Familientage ein. Es gibt offenbar überhaupt nichts mehr, was nicht Anlaß zu Vereinsgründungen, Festen und Umzügen, zu Paraden und Reden wäre.

    Der Schein interessiert heute eben mehr als das Sein. So auftreten, als ob man nicht Sekretär, sondern Rechnungsrat, nicht Commis, sondern Abteilungsvorsteher wäre: das ist der Drang jedes Deutschen. Jeder möchte in seinem Umkreis höher „eingestuft“ sein, als seiner Stellung eigentlich entspricht. Nur ja um Gotteswillen nicht zeigen was man ist.

    
Auf das ganze Volk übertragen ergibt das dann diesen neudeutschen Klamauk, an dem die ausländischen Studienkommissionen irre werden. Weil kein Mensch auf den Gedanken kommt, daß ein angeblich armes und ausgepowertes Volk auf diese Art und Weise seine Armut, wahrhaftig: seine Armut zum Ausdruck bringt.

    1925, 24 Hermann Mauthe

  • Unterschiede

    Unterschiede

    — Jg. 1925, Nr. 15 —

    Wenn deutsche Kapitalisten mit französischen und englischen zusammenkommen, um neue Verdienstmöglichkeiten auszuknobeln, dann ist das im Interesse des „Vaterlandes“.

    Wenn deutsche Pazifisten nach Frankreich gehen, um unter Einsatz ihrer ganzen Persönlichkeit Fäden der Verständigung zu knüpfen, dann ist das nationale Würdelosigkeit.

    Wenn ein durch Jahre der Entbehrung zermürbtes Volk zusammenbricht, weil man ihm im größten aller Kriege zumutete, alle Lasten zu tragen, dann ist das vaterlandslos und ein schmählicher Dolchstoß.

    Wenn Generale und Monarchen im Moment der größten Verantwortung um falsche Pässe betteln, kopflos werden, weil sie Angst um ihren Kopf haben, dann folgt ihnen die Liebe und die Hochachtung aller guten Patrioten.

    Wenn Studenten und ehemalige Offiziere politische Mordorganisationen gründen, den Gegner feig aus dem Hinterhalt niederknallen lassen, wenn sie durch kindische Attentate dem Staat die größten Schwierigkeiten bereiten, dann umstrahlt sie der Glanz edlen Heldentums.

    Wenn Arbeiter aus der Not ihres Daseins heraus sich zu Krawallen hinreißen lassen, wenn dann aus irgend einer dunklen Ecke ein Schuß fällt, dann ist Grund dafür, Maschinengewehre knattern zu lassen, und die Überlebenden wegen Landfriedensbruch auf Jahre ins Zuchthaus zu schicken.

    Wenn ein Beamter seiner republikanischen Gesinnung Ausdruck verleiht und für den Staat eintritt, dem er den Treu-Eid geschworen hat, dann ist er ein Fremdkörper, der früher oder später ausgeschieden werden muß.

    Wenn ein Diener der Republik unzweideutig ausspricht, daß die Monarchie wieder kommen muß, wenn ein Minister den Eid auf die republikanische Verfassung leistet, gleichzeitig aber Führer der monarchistischen Bewegung ist, dann ist er der Mann aller aufrechten Deutschen.

    Wenn nationale Politiker ihren Wählern alles versprechen und nichts halten, wenn sie stets wie Esel zwischen Ja und Nein schwanken, dann sind sie die geborenen Führer des Volkes.

    Wenn die bösen Republikaner nicht so uneins sind, wie man das gerne haben möchte, wenn sie die Pläne des Gegners durchkreuzen, dann ist das ein widerlicher Kuhhandel von Parteibonzen.

    Wenn der Reichs-Rechts-Jarres-Block die Felle davonschwimmen sieht, und deshalb gerne Hindenburg vor seinen Parteiwagen spannen möchte, dann geschieht das wirklich nur in ehrlicher Sorge um das darniederliegende Vaterland.

    Wenn die Republikaner entschlossen sind, der Republik auch in der kommenden entscheidenden Stunde zum Sieg zu verhelfen, dann tun sie es nur in dem Bestreben, sich die Futterkrippe zu erhalten.

    Wenn einer eine andere Ansicht hat, als die eben skizzierte, dann ist er in den Augen der Patentpatrioten kein deutscher Mann.

    1925, 15 · hm

    Das Jahr 1925 war in mancher Hinsicht ein Schicksalsjahr für die junge Weimarer Republik. Nach sechs Jahren Demokratie war das Vertrauen der Deutschen in die Republik auf einem Tiefpunkt. Unruhen und Putschversuche, ständige Regierungswechsel, politische Morde und die Verarmung des Mittelstandes nach dem Inflationsjahr 1923 – all dies führte dazu, dass der Ruf nach einem starken Mann an der Spitze des Staates immer lauter wurde. Viele Deutsche wollten schlicht ihren Kaiser Wilhelm wieder haben.

    Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/hindenburgs-wahl-als-auftakt-zum-dritten-reich.871.de.html?dram:article_id=125103

  • Pazifismus tut not

    Pazifismus tut not

    — Jg. 1925, Nr. 12 —

    Das Wort Pazifismus hat nirgends einen schlechteren Klang als in Deutschland. Schlaue behaupten, es käme von der Einseitigkeit der deutschen Pazifisten. Ach nein; die Abneigung liegt begründet in der deutschen Mentalität der wilhelminischen Ära. Jedes Wort gegen Krieg und für zwischenstaatliche Verständigung und internationale Schiedgerichtsbarkeit und Abrüstung hat hier einen femininen Charakter; hier in dem Lande, in dem noch bis vor kurzem durch die landläufigen Redeblüten militärischer Romantiker die Gebärfreudigkeit angeregt zu werden pflegte. 

    Der Geist des Mißtrauens, der uns über den Rhein herüber entgegenweht, ist vielleicht begründeter, als selbst deutsche Pazifisten glauben wollen. Gewiß: dieses Mißtrauen ist sich nun seit 1918 so ziemlich gleich geblieben; einerlei, wer bei uns am Ruder war. Aber kommt das nicht vielleicht daher, daß diese Regierungen entweder nichts getan haben oder nicht viel tun konnten, um der Welt zu zeigen, daß der Geist von 1914 im Schwinden begriffen ist? 

    Von der ersten Haager Konferenz im Jahr 1899 geht eine gerade Linie bis zu den Vorbehalten über den Eintritt in den Völkerbund. Damals war es schon die Ansicht der beteiligten Mächte, „eine Beschränkung der die ganze Menschheit bedrückenden Militärlasten sei höchst wünschenswert.“ Aber der deutsche Vertreter erwiderte: „Das deutsche Volk wird keineswegs erdrückt vom Gewicht seiner Abgaben, es treibt keineswegs dem Abgrund zu, es steht keineswegs vor der Erschöpfung und dem Untergang.“ Damit war die Konferenz in ihrem Hauptpunkt zum Scheitern gebracht. Auf der zweiten Konferenz im Jahr 1907, als es um die Errichtung eines ständigen Schiedsgerichts ging, war wiederum Deutschlands Nein entscheidend für den kläglichen Ausgang. Von da ab datiert die verhängnisvolle Umgruppierung in der europäischen Politik. Das Instrument der Verständigung und Vermittlung war verhindert, Wilhelms Unbesonnenheit trieb zu Konflikten. Es sind Glieder einer Kette, der Sprung nach Agadir, die Blankovollmacht an Österreich, der Einbruch in Belgien, die Gewaltfriedensverträge von Brest-Litowsk und Bukarest. 

    Nur in einem Punkt haben wir die Linie unserer Gewaltpolitik verlassen und uns für Recht und Gerechtigkeit eingesetzt: als man uns den Schandvertrag von Versailles aufzwang. Der doch, wir merken es heute immer besser, weniger ein Produkt sinnlosen Hasses als ein Ausfluß französischer Angst ist. Hervorgegangen aus dem Geist des Mißtrauens, den wir unter Wilhelm II. so unermüdlich genährt haben. Wer so beharrlich Abrüstungs- und Schiedsgerichtsgedanken ablehnt und sich auf sein blankes Schwert stützt, wer so wenig Vertrauen in die ersten hoffnungsvollen Ansätze einer planvollen Organisation der internationalen Beziehungen hat, der darf sich nicht wundern, wenn sich die Schwierigkeiten einer Verständigung über seine wirklichen Nöte turmhoch häufen und wenn sein Appell an das Recht untergeht im Mißtrauen. 

    Bei der Bekämpfung des Vertrags von Versailles ist uns, bezeichnenderweise, die sogenannte Schuldfrage immer mehr im Vordergrund gestanden als die angeblich nicht aufzubringenden Lasten (2 1/2 Milliarden sind als höchste jährliche Zahlung vorgesehen, rund 6 Milliarden werfen wir jährlich für Alkohol und Tabak hinaus). Die nackte Feststellung, daß wir zuerst angegriffen haben, ist umgewandelt worden in die Lüge von der Alleinschuld der Deutschen am Kriege, von der im Friedensvertrag mit keinem Wort die Rede ist. Aber der Kampf hat ein viel weiteres Ziel. Man möchte nicht nur keine Schuld an dem Verhängnis haben, sondern auch noch beweisen, daß die deutsche Politik vor dem Kriege die richtige war, ja daß die andern die Schuld am Weltkrieg tragen. Die Folgen jener Vereitelung der Haager Konferenzen benützt man dazu, um zu sagen: seht, es war denen ja gar nicht ernst mit ihrer Rederei um den Frieden herum. Wenn irgendwo irgendeiner irgendetwas gesagt hat, das den Unschuldlügnern in den Kram paßt, wird es herbeigeschleppt zum großen Reinwaschen. 

    Indessen ist man sich in der Welt draußen längst klar darüber, in welchem Umfang das kaiserliche Deutschland am Weltbrand schuldig zu sprechen ist. Nur wir wissen es immer noch nicht. Wir appellieren fortgesetzt an das Weltgewissen; dabei ist nirgends weniger Glauben an eine Politik des Rechts, als bei uns. Wir haben nicht den Mut, mit der Politik der Gewalt Schluß zu machen. Unsere Hoffnungen sind im Stillen immer noch bei ihr. 

    Ein kleiner lustiger Ruhrkrieg ist uns immer noch sympathischer als die Erledigung einiger Lieferungsrückstände. Immer wenn eine eigene oder eine fremde Regierung etwas in der Richtung der Verständigung gewollt, und immer, wenn dann andere, gestärkt durch den chauvinistischen Rückhalt, es ausgenützt haben, verziehen die 1914er das Gesicht: hier seht ihrs wieder, ihr dämlichen Friedensfreunde. Und wenn einer den Mut hat, wie Professor Förster, offen zu sein, ist die ganze Meute hinter ihm her. Weil sie glauben, Politik und Moral vertrügen sich nicht. Weil sie an die Schliche ihrer Geheimdiplomatie gewöhnt sind. Weil sich bei ihnen immer noch Geschäft und Politik so gut vertragen. 

    Pazifismus tut not. Solidarität tut not. Das Geschäft muß hinaus aus der Politik, und dafür die Moral, die anständige Gesinnung, hinein. Dafür und für nichts anderes kämpft der viel verkannte Förster. Hat er denn nicht Recht? 

    Es gibt keine ehrliche Politik ohne das Bewußtsein der Verbundenheit, und es gibt keine Verbundenheit unter Geschäftspolitikern. Es gibt kein Vertrauen, wenn nicht einer den Anfang macht, es zu rechtfertigen. Und es gibt Situationen, in denen nur noch der Mut zu ein bißchen Vertrauen helfen kann. Wir sind in einer solchen. Die zivilisierte Welt steht vor dem Augenblick, in dem sie dem Chaos Form geben muß. Der geschichtliche Moment drängt zur Weltorganisation. 

    1925, 12 · Hermann Mauthe 

    Empfindliche Gemüter.

    In der „Selbsthilfe“, dem Blatt der Volksrechtspartei, hat Herr W. P. mit seiner spitzigen Feder unabsichtlich einige Leser verwundet. Die Schriftleitung sieht sich veranlaßt, mitzuteilen, daß die Leser „selbstverständlich nicht gemeint“ seien. Ist das nicht gerade der Fehler an unserer ganzen Presse, daß die Leser nie gemeint sind? Und der Fehler der verehrlichen Leserschaft, daß sie sich so selten getroffen fühlt? 

    1929, 36 

  • Gedenkfeiern

    Gedenkfeiern

    — Jg. 1925, Nr. 9 —

    Der heutige 1. März wird auf Anordnung des Reichsministeriums des lnnern und unter Mitwirkung der „kirchlichen Behörden“ als „Gedenktag für die Opfer des Weltkrieges“ begangen. D. Red. 

    Gedenktage sind Meilensteine auf dem weiten Weg der Vergeßlichkeit und Gedankenlosigkeit. Heute ist wieder ein solcher; und es ist nicht zu bezweifeln, daß er „würdig“ und im gewissen Sinne „erhebend“ verlaufen wird. Denn je mehr wir uns von dem „großen Geschehen“ entfernen, desto eher hat die vaterländische Rhetorik Aussicht, das Gedächtnis zu besiegen. 

    Bei einem ungetrübten Blick rückwärts wäre es ja unmöglich, die Würde zu wahren, wenn gewisse Leute das Podium betreten, um mit erhobener Stimme über das traurige Resultat ihrer Geistesverfassung zu sprechen. 

    Auf dem Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands im Dezember 1918 in Berlin hat Richard Müller in seiner Eröffnungsrede gesagt: „Bevor wir an unsere Arbeit gehen, an diese große, schöne und schwere Arbeit, wollen wir jener unglücklichen Menschen gedenken, die als Opfer des fluchbeladenen, gestürzten Systems gefallen sind (die Versammlung erhebt sich), deren Gebeine draußen in kühler Erde ruhen. Wir wollen aber auch jener gefallenen Freiheitskämpfer gedenken, die im Kampfe für die sozialistische Republik gefallen sind. Das gesamte arbeitende Volk dankt diesen Helden, unvergessen werden sie fortleben als die großen Toten der sozialistischen Republik…“ 

    Wie oft sind seit dieser ersten Gedächtnisrede solche und ähnliche Reden gehalten worden? Von Leuten aus allen Lagern, mehr oder weniger belastet mit der Mitschuld an dem Unfaßlichen. 

    Der Redner setzt sich bei einer solchen Feier in Positur und sagt etwa: unsere Helden sind gefallen als Opfer eines fluchbeladenen Systems; aber das Gedächtnis erwidert: hast du nicht für die Kriegskredite gestimmt? Oder der Redner sagt: sie zogen hinaus, um das Vaterland zu verteidigen gegen welsche Rachsucht und englische Habgier; daraufhin das Gedächtnis: habt ihr nicht die ersten Kriegserklärungen in die Welt hinausgeschickt? Was habt ihr denn getan, den Krieg zu verhindern? Der Redner sagt: wir haben gekämpft für Recht und Gerechtigkeit und unsere gerechte Sache; aber das Gedächtnis sagt: sind wir nicht in Belgien eingefallen und haben das Völkerrecht schon zu Beginn mit Füßen getreten? Haben wir nicht französische Frauen deportiert und belgische Zivilisten von ihren Familien gerissen? Fabriken unnötigerweise ausgeplündert und französische Gruben ersäuft? Der Redner sagt: in berechtigter Notwehr ergriffen wir das Schwert, unser einziges Ziel war die Verteidigung; darauf das Gedächtnis: wolltet Ihr nicht die halbe Welt annektieren? Warum schreit ihr über die geraubten Kolonien? 

    Der Redner sagt: Schulter an Schulter haben wir gekämpft, ein einig Volk von Brüdern, haben gemeinsam gedarbt und gelitten, in Not und Tod vereint als deutsche Brüder: wir liebten vereint, wir haßten vereint, wir hatten alle nur einen Feind … Aber das Gedächtnis sagt: habt ihr nicht aus dem Tod und der Qual eurer Brüder Profite gezogen? seid ihr nicht weit vom Schuß gesessen und weit von der Not des Hungers? Haben nicht die einen Krankheit und Siechtum, Verlust ihrer Existenz und ihrer Ersparnisse erfahren, und seid nicht ihr wohlbehalten über die „große Zeit“ hinweggekommen? 

    Der Redner sagt: der Sieg war zum Greifen nahe, da haben die Vaterlandslosen uns das Schwert aus der Hand geschlagen und den Dolch in den Rücken gestoßen; darauf das Gedächtnis: der Dolchstoß — das war die „Volksgemeinschaft“ der Vaterlandsparteiler und der Klassenegoismus der Besitzenden, der sich um das letzte Opfer herumgedrückt hat und das Volk alle Lasten tragen ließ, bis es zusammenbrach. Der Redner: der beispielloseste Opfermut aller Kreise ist durch Verbrecher um seine Früchte betrogen worden; aber das Gedächtnis erwidert: was habt ihr für ein frevles Spiel mit der Kriegsanleihe getrieben? Nur um euren Besitz nicht zu schmälern, habt ihr alles auf eine Karte gesetzt und dem kleinen Mann, der sowieso Leben und Gesundheit darangab, vorgeschwatzt, hier sei die „sicherste Kapitalsanlage“ und die „beste Sparkasse“. Statt daß ihr euch wie das perfide Albion dazu aufgeschwungen hättet, den Besitz und die Kriegsgewinne zu schröpfen. Der Redner: die gutgläubigen Deutschen sind auf die vierzehn Punkte eines politischen Gauners hereingefallen; darauf das Gedächtnis: daß Wilson mit seinen Ideen unterlegen ist, das ist das Werk jener Männer, die mit ihrer Geistesverfassung der euren so außerordentlich nahestehen. 

    Der Redner sagt: ein undeutsches Wesen hat in Deutschland die Oberhand gewonnen; das Gedächtnis erwidert: freilich, noch nie und nirgends ist schamloser und feiger gegen Volksgenossen mit Mord und Totschlag gewütet worden, und noch nie hat die Justiz so wenig Interesse gezeigt, das mit Füßen getretene Recht wieder zu Ansehen zu bringen. 

    Der Redner schließt: eher wird Deutschland nicht zu neuem Ansehen, zu Macht und Größe gelangen, ehe nicht der alte Geist über den Geist der „Novemberverbrecher“ gesiegt hat; daraufhin das Gedächtnis: nach den letzten Jahren wohl möglich, daß er nocheinmal siegen wird, aber nur und Deutschland seinem endgültigen Untergang entgegenzutreiben. 

    Aber wie das Gedächtnis den Mund auftun will, um dem Redner all dies tatsächlich zu erwidern, wird es verhindert durch den machtvollen Applaus des tief ergriffenen Publikums, das dem Redner „voll und ganz“ beipflichtet. 

    1925, 9 · Hermann Mauthe 

  • Deutsches Gespräch

    Deutsches Gespräch

    — Jg. 1925, Nr. 18 —

    Hallo, sieht man Sie auch mal wieder? Wie geht’s? Wie steht’s? Machen Se Geschäfte? … Die heutigen Zustände, meinen Sie. Nun ja, politisch, aber sonst … Sie verstehn mich schon. Bringt sich natürlich kaum durch … Ober, die Weinkarte! … Eine verfluchte Schweinerei heute auf der Straße; die Leute sind wie toll … Was sagen Sie? Ach so, das Reichsbanner! Einfach verbieten. Frechheit das, wie die sich auf einmal großtun … Meine Frau hab‘ ich ein bißchen an die Riviera geschickt, verträgt das naßkalte Wetter nicht … Wie? Hindenburg soll weniger Stimmen haben als dieser Marx! Undenkbar! Ich sage Ihnen, ganz unmöglich. Warten Se ab! … Hoffentlich tun sich die Kommunisten nicht zu dicke. Ein wenig Klamauk schadet ja nich; gibt immer nette Gelegenheiten zu kleinen Machtproben … Sehen Se nur mal die Blonde da drüben … Nein, am dritten Tisch. Kesses Weib, was? … Der Niedner hat sich gar nicht schlecht gehalten, da kürzlich in Leipzig … Die Kerle gehören ja alle an die Wand gestellt … Warum man mit diesen Verbrechern so viel Umstände macht? Fragen Se doch die schlappe Regierung in Berlin … Was gröhlen die nun bloß wieder da draußen? … Die Internationale? Daß diese Leute auch gar kein Nationalgefühl haben. Da plagt man sich für dieses Pack ab, um Deutschland wieder flott zu machen, und was tun se? … Manchmal ist einem das alles bis da … An dem letzten Posten Jute hab‘ ich übrigens ganz nett verdient … Wenn diese Angestellten nur einen endlich mit ihren ewigen Lohnforderungen verschonen wollten … Sie, halt, was ist das, Hindenburg hat die Mehrheit? Geben Se so’n Wisch her … Na, Gott sei Dank. Was hab‘ ich Ihnen gesagt? Endlich mal ’n Lichtblick … Daß ich’s nicht vergesse, wollen Se morgen abend nich mitkommen in die Oper, ich hab‘ noch ein Billet … Wie, Sie verstehen nicht viel davon? Ich auch nicht, aber Gott man muß sich doch mal wieder zeigen. Sonst geht immer meine Frau hin mit dem Lachwitz. Schneidiger Kerl, was? … Ist natürlich immer noch bei der Reichswehr; „zuverlässiger“ Republikaner … Na, hören Se; Sie werden nicht klug aus ihm? Der ist doch zuverlässig, auf den können wir uns doch verlassen … Ober, nu lassen Se mal ’n nationales Stück spielen … Das mit ‚m Hindenburg war gar kein schlechter Einfall. Fabelhaft militärisches Auftreten. So was zieht immer noch, trotz dieser Republik. Wir können doch nich ewig auf dem Bauch rutschen. Denen werden wirs schon noch zeigen … Aufstehen, das Flaggenlied! Sehen Sie, das sind Augenblicke … Was? Der Kerl da drüben bleibt sitzen? Raus mit dem Halunken! Jedenfalls einer von auswärts. Na, der ist aber geflogen … Ober, Ober … Da sitzt man nu eine Viertelstunde bei leeren Gläsern … Aber Se wollen doch im Ernst nicht schon gehen? Trinken Se noch ein Fläschchen mit … Ach so, Se wollen noch da rüber ins Kabarett! Ist denn was los da? … So, tolle Nummer? Ach nein! Dann komm‘ ich natürlich mit … Die Ragetti ist da? Sie, das ist doch nicht die, wo früher im Odeon aufgetreten ist? … Die ist’s? Warum haben Se das bloß nich früher gesagt? … Ist denn auch ’n guter Komiker da? Wissen Se, so einer mit politischen Pointen. Na, wie der neulich im Trocadero den Ebert veräppelt hat, ich kann Ihnen bloß sagen, ich hab‘ mich schief gelacht … Wissen Se, das mit dem Barmatstunk hat nun auch ein Ende. Ist ja ’ne Schande. Heut‘ kann ja jeder Ostjude einem die besten Geschäfte wegschnappen … Hindenburg wird schon ausmisten … Wegen den Amerika-Krediten haben Se Angst? … Na, die Kerls sind ja momentan etwas belämmert, aber nur recht forsch aufgetreten, dann werden diese Newyorker Juden schon Respekt bekommen … Bin gespannt auf die Ragetti. Die Blonden haben mich von jeher verrückt gemacht … Und jetzt, wo der Hindenburg, meinen Sie? Natürlich, da kann man sich mal ’n vergnügten Abend leisten … Da sind wir ja schon. Ich glaube die spielen eben das Deutschlandlied! … Na, da kommen mer ja gerade recht … 

    1925, 18 · hm 

  • Die demokratische Republik

    Die demokratische Republik

    — Jg. 1922, Nr. 23 —

    Also, das ist ganz famos! Die Republik zieht immer weitere Kreise. Der Gedanke des Volksstaates ist auf der ganzen Linie im Sieg begriffen. Es häufen sich die Fälle, wo republikanische Verordnungen ohne monarchistische Ausführungsbestimmungen ins Land hinausgehen. Neulich soll sogar in Geheimratsvorzimmern die Anschaffung weiterer republikanischer Dienststempel in den Bannkreis der Erwägungen gezogen worden sein. Auf die Anklageschrift „Zwei Jahre Mord“ werde, wie man hört, in absehbarer Zeit mit einer Regierungsdenkschrift geantwortet werden. 

    Eine ungeheuer freudige Erregung hat dieserhalb weite republikanische Schichten erlaßt. Der Optimismus liegt förmlich in der Luft. Gerüchte schwirren wie Maikäfer. 

    Aus den Bädern und Kurorten kommen Nachrichten, daß sämtliche Damen abgereist seien, um in Zigaretten- und Bonbonsfabriken als Arbeiterinnen einzutreten. Barone und Grafen seien bereits im Ruhrrevier als Grubenarbeiter tätig. Erste Folge: Die proletarischen Belegschaften seien in den Streik getreten, um den Zwölf-Stundentag zu erzwingen. Es heißt, die Hohenzollern hätten ihre sämtlichen Forderungen an den preußischen Staat zurückgezogen. Der Kronprinz soll den Erlös aus seinen, bzw. Rosners Erinnerungen zur Anschaffung republikanischer Fahnen gestiftet haben. Im übrigen sei ein Verein endgültig „ehemaliger“ Fürsten ins Leben getreten, um wenigstens auf demokratischer Grundlage dem Leben ratlos gegenüber zu stehen. 

    Mir hüpft das Herz vor Freude, wenn sich alle diese Gerüchte bestätigen. Man hat den unwiderstehlichen Eindruck, daß die Deutschen ein Volk sind. Zeitungen sollen ihr Erscheinen eingestellt haben, weil es doch nichts mehr zu beeinflussen gäbe. Börsenspekulanten und solche Leute z.B. sollen ihre Kuponscheren auf dem Altar des Vaterlandes geopfert und ihre Wertpapiere den nächsten Metzgern als Einwickelpapier zur Verfügung gestellt haben. In Berlin seien in führenden Kreisen spartanische Verhältnisse eingekehrt. Der Inhaber von „Dressel“ habe sich in einem Anfall von Schwermut das Leben genommen. Ein Massenangebot von übrigen Regierungs-Autos begegne absolut keiner Nachfrage. 

    Das ist ja einfach brillant! Man faßt sich an den Kopf, wie das alles auf einmal so hat kommen können! Habe ich es nicht immer gesagt, im deutschen Volk stecke ein guter Kern und am deutschen Wesen müsse noch einmal die Welt genesen? 

    Und sie wird genesen. Ein unendlich großer historischer Moment ist über uns hereingebrochen. Wir kennen keine Parteien mehr, nur noch Deutsche. Viele sind sicher wie ich von dem Ereignis ganz erschüttert. Der Patriotismus steht sprachlos seiner Verwirklichung gegenüber. In höheren Beamtenkreisen soll eine starke Neigung vorhanden sein, wieder zu einer Beschäftigung zurückzukehren. Die Kirche fürchte sogar, das Himmelreich sei nahe herbeigekommen, da man sich sonst solche unbegreiflichen Vorgänge nicht erklären könne. Sie lege deswegen eine überraschende Gleichgültigkeit gegenüber irdischen Gütern an den Tag. Fälle, in denen Christen in ihren Handlungen sogar im Einklang mit den Lehren Christi standen, sollen schon vorgekommen sein.

    Einige deutschnationale Gelehrte sollen sich allerdings noch gegen die ausgebrochene Demokratie sträuben. Man hofft in Fachkreisen mit Zuversicht, daß der Volkskörper gesund genug sei, um den Krankheitsstoff möglichst rasch auszuscheiden. Die Fälle, daß in christlichen Kreisen nach der Lehre des Nazareners gehandelt worden ist, haben sich in der Tat als ganz vereinzelte Ausnahmen herausgestellt. Aber wie dem auch sei. Ich lasse mich von meinem Optimismus nicht abbringen. Wir gehen herrlichen demokratischen Zeiten entgegen. Vor meinem geistigen Auge ersteht das Bild einer vollendeten Demokratie. Ein Volk der Arbeit in Fabrik und Werkstatt. Fürsten sind zu brauchbaren Menschen geworden. Reiche und Arme sind gleich. In den Palästen wohnen die Kranken und Erholungsbedürftigen und in den Kurorten und Bädern erholen sich die Volksgenossen, die es am notwendigsten haben. Alle Versicherungen, alle Sorgen um die Existenz sind aufgehoben. Die Demokratie ist die beste Versicherung.

    Hier bricht das Protokoll des behandelnden Arztes ab. Der Kranke ist nach den oben wiedergegebenen Ausführungen als unheilbar einer Anstalt überwiesen worden. 

    1922,23 Hermann Mauthe 

  • Die Regierung soll…

    — Jg. 1922, Nr. 35 —

    Je unhaltbarer die Zustände bei uns in Deutschland werden, je mehr ertönt der Angstruf: die Regierung soll. Es ist immer dasselbe. Die eigene Initiative wünscht man ersetzt durch eine Verfügung. Wenn die Not am größten, ergibt man sich vertrauensvoll nach lieber alter Gewohnheit denen da droben, die schon alles regeln und in Ordnung bringen werden. Ein munterer Quell lieblicher Gesetze soll durch das dürre Land fließen und wieder die alte Fruchtbarkeit hervorzaubern, die einstmals ohne die Gesetze oder trotz der Gesetze vorhanden war. Was ist der heutige Mensch ohne Regierungserlasse und außerordentliche Maßnahmen? Er kann sich ohne sie das Leben gar nicht mehr vorstellen. 

    Das Unglück, die Not, das Chaos schreitet schnell, die Gesetze kriechen. Es dauert allemal schon ziemlich lange, bis sie von einer schwerfälligen Gesetzesmaschinerie fabriziert sind und wenn sie dann endlich unter viel Kompromissen da sind, sind sie meist solche Mißgeburten, daß niemand so richtig eine Freude an ihnen haben kann. Alsdann machen sie ihren Weg zuerst durch die jeweiligen Geheimratsvorzimmer und Amtsstuben, allwo rabulistische 14 Ausführungsbestimmungen dafür sorgen, daß das, was an ihnen etwa noch zum Wohle des arbeitenden Volkes wirksam sein sollte, vollends zum Teufel geht. Aber der Untertan in seinem blinden Gesetzesglauben wartet inzwischen geduldig auf die gute Wirkung der neuen Verordnung, deren möglichst unauffällige Beerdigung bei den einzelnen Instanzen schon beschlossene Sache ist. Merkt er aber, daß auch das neue Gesetz keine Rettung bringt, so fordert er ein neues Gesetz. Und die Regierung, gesetzesfreudig wie sie ist, sonst wäre sie ja keine Regierung, macht neue bandwurmartige Gesetze. 

    Es siehts allmählich auch der Blinde, daß man endlich dem Übel mit andern, realeren Mitteln zu Leibe gehen muß. Nicht nach dem Schlachtruf: so geht es nicht mehr weiter, nach dem es erfahrungsgemäß noch allemal so weiter gegangen ist, sondern aus der Erkenntnis heraus, daß man nach Elefanten nicht mit Erbsen schießen soll. Allemal, wenn in schwierigen Situationen die Gewerkschaften den Versuch machten, der Regierung durch irgendwelche Forderungen ihren Willen aufzudrängen, erscholl prompt der Ruf von der Nebenregierung. Und sonderbarerweise kam dieser Ruf immer von jener Seite, die neben der repräsentativen Regierung schon von jeher die mit ungleich mehr Machtmitteln ausgestattete Nebenregierung war. Es ist klar, dieser kapitalistischen Nebenregierung, die ja der Wirkung nach schon mehr die Hauptregierung in Deutschland ist, war das Auftauchen einer neuen Nebenregierung peinlich und gefährlich. Sie hatte in solchen Momenten Angst um den Gesetzgebungsapparat, der immer so schön unbemerkt zu lenken war und nebenbei das Volk in seinen Illusionen weiterleben ließ. Nämlich, daß sich durch Gesetze etwas grundlegend ändern könne und jene Erkenntnis verhinderte, daß sich doch nur die Form der Leibeigenschaft ändert und sonst nichts. 

    Die großen Gruppierungen der mächtigen Wirtschaftsorganisationen sind heute realere Mächte als der Staat, sie machen die Gesetzgeberei durch ihre wirtschaftliche Monopolstellung in mancher Beziehung illusorisch. Der Regierung fehlt ganz einfach die Macht, den mit so ehrlichem Willen errichteten Volksstaat zu einer tatsächlichen Volksgemeinschaft zu machen, in der Zinsknechtschaft und Kapitalhörigkeit nicht mehr möglich ist. Die Regierung soll gegen den Wucher vorgehen, aber die allmächtigen Kartelle können seelenruhig ihre Preisdiktatur ausüben. Die Regierung soll eine Gesundung unseres Volkskörpers herbeiführen, sie ist aber nicht mächtig genug, um zu verhindern, daß die Industrie ihr Geschäftsgebaren nicht in der Richtung einer Förderung der deutschen Allgemeinwirtschaft einstellt, sondern lediglich unter dem Gesichtspunkt des Verdienens und der eigenen Machterweiterung vorgeht. Die Diktatur des Kapitals, der Industrie und des Bodenbesitzes schafft man nicht durch Verordnungen aus der Welt. Dazu sind diese Kräfte zu real. Man kann ihnen nur eine gleichwertige Macht gegenübersetzen, das ist die Macht der Konsumenten gegenüber der der Produzenten. Die Macht des Kapitals Arbeitskraft und die noch größere: der sich einig gewordenen Verbraucher. 

    Die Erkenntnis muß endlich sagen: nicht die Regierung soll, sondern ich soll, ich kann, ich muß. Das Klagen und Warten auf rettende Verordnungen muß endlich weichen einem zielbewußten Vorgehen, das ein ausbeuterisches System an seinen Wurzeln untergräbt. Warum über die Ausbeutung der Händler klagen und ein Gesetz dagegen verlangen, wenn man es jeden Augenblick in den Händen hat, sich eben nicht ausbeuten und übervorteilen zu lassen? Warum sollen so und so viele Tausende Konsumenten nicht in der Lage sein, den Einkauf ihrer Waren selbst in die Hand zu nehmen und warum soll es nicht bei ein wenig Initiative möglich sein, die schon bis zu einer gewissen Bedeutung gelangte Konsum- und Genossenschaftsbewegung so zu benützen, daß man den ganzen Bedarf durch die Genossenschaft deckt und nicht nur einen winzigen Prozentsatz? 

    Hier würde erst der richtige Kampf beginnen zwischen Kapital und Arbeit, zwischen Ausbeuter und Konsument. Die riesigen wirtschaftlichen Machtfaktoren der Konsumenten-Genossenschaften könnten die Alleinherrschaft der großen kapitalistischen Wirtschaftsorganisationen brechen und so viel wirksamer das erreichen, was man heute durch Gesetzgebung von oben anstrebt. Der Irrwahn des Untertanen muß eben der freien Initiative aller sozial Gesinnten weichen, die nicht aus der Verordnung, sondern aus der Gesinnung heraus zu einem neuen Gesellschaftszustand kommen wollen. Wenn die Befreiung auf diesem Wege erfolgt, dann ist auch die Gefahr überwunden, daß das, was man als Sozialismus anstrebt, ein mächtiger bürokratischer Wasserkopf mit einer Beamtenhierarchie wird, statt eine auf freiester Basis gegründete, organisch gegliederte Gesellschaftsordnung. Dann wird der Mensch auch immer mehr von dem „Die Regierung soll“ des paragraphenandächtigen Staatsheloten zu einer wahren inneren Freiheit kommen, die von Verordnungen und Gesetzen nichts erhofft, aber von sich als freiem unabhängigen Menschen alles. 

    1922, 35 Hermann Mauthe 

  • Das Kommis-Deutschland

    Wir sind vom Krieg zum Frieden gekommen. Wir haben zwangsläufig die Monarchie mit der Republik vertauschen müssen. Der „Vaterländische Unterricht“ wird als Propaganda für die „deutsche Kultur“ weitergeführt. Die Durchhalte-Parole hat dem Aufbaugestammel weichen müssen. Die Kriegsberichterstatter sind als Friedensberichterstatter nicht minder verheerend tätig, soweit sie nicht damit beschäftigt sind, für irgend einen Fürsten Memoiren zu schreiben. Die vaterländischen Kreise sind fieberhaft beschäftigt, die Folgen ihrer Vaterlandsliebe abzudämmen. Ihr Kapital hat sich reibungslos ins Ausland verflüchtet, sie selber sind uns erhalten geblieben. Der Arbeiter hat bereits um die „Errungenschaft“ des Achtstundentags zu kämpfen.

    Für die Republik liegt nach all dem absolut keine Veranlassung vor. Sie ist für die Mehrzahl der Deutschen doch nur ein Geduldspiel. Regimentsfeiern allein machen auf die Dauer auch nicht glücklich. Es ist zwar so wunderschön, von hohen Offizieren den Geist der bekannten Kameradschaftlichkeit predigen zu hören, und so urdeutsch, sich daran besoffen zu machen; auf die Dauer befriedigt es nicht. So wahr wir nie für die Republik reif waren, für die Monarchie sind wir es.

    Wer es nicht glaubt, sehe sich gefälligst um. Aus irgend welchen Gründen hat man es 1918 unterlassen, „Rührt euch!“ zu befehlen. Folge: alle stehen noch stramm. Es ist weltfremde Phantasterei, mit solchem Material eine Demokratie zu etablieren. Will man es trotzdem, dann kräftig zupacken. Laßt es euch nicht mehr gefallen, daß in Deutschland in allen Lebenslagen der Unteroffizier herrscht und der „Untertan“ jede freie Aussicht auf eine bessere Zukunft versperrt. Ihr dürft das einfach nicht mehr erträglich finden; rührselige Toleranz ist nicht mehr am Platz. Es heißt jetzt: entweder oder. Entweder geht das bischen freie Menschenwürde vollends zum Teufel und es herrscht in Deutschland wieder uneingeschränkt der preußische Kommisgeist, der das ganze Leben zum Exerzierplatz macht, auf dem der Militarismus seine Parade abhält. Dann kann man zu dem großen Heer der ungekrönten Herrschenden und dem noch größeren der Untertanen ganz ruhig auch seine geliebten Fürsten zurückholen. Oder -: man gibt diese verzweifelte Sippschaft der Lächerlichkeit preis und nimmt sie nicht mehr so ernst wie seither.

    Seht sie doch an! Wieviel Wilhelms in Westentaschenformat, jeder dritte Zoll von Gottes Gnaden. Solche Aufgeblasenheiten kann es nur in Deutschland geben. Nur in einer deutschen Republik ist es möglich, daß den groteskesten Witzblattfiguren immer noch die größte Hochachtung entgegengebracht wird. Wie sie doch alle obenauf sind und sich trotz ihrem Geschrei wohl fühlen, alle die Herrscherchen, denen der Vorgesetzte in den Knochen steckt, mit dem Schutzmannsgeist und dem Unteroffizierston. Die sich vor Einbildung überschlagen, so bald sie ein Bockleiterehen erklommen, irgend ein Positiönchen sich ergattert haben. Wie sie da geschwollen von ihren „Leuten“ sprechen, den Zollstab schwingen, als gäbe es Provinzen zu verwalten. Wie sie hinter Schaltern in fabelhafter Würde und Unnahbarkeit das Publikum „abfertigen“. Wie noch in übelster Manier auf „Untergebenen“ herumgeritten wird, wo es längst nur Mitarbeiter geben sollte.

    Seht sie euch genau an!

    In den Fabriken, den Werkstätten und Büros, bei den Kuhbauern auf dem Lande wie in Ministerien, überall dasselbe Bild. Wundert man sich, daß hier eine Republik auf Widerstand stößt?

    Welche stolzierende Hoheit kleiner Abteilungsvorsteher, welcher Vorgesetztenfimmel bei Vorarbeitern!

    Welche dummdreisten Überheblichkeiten in Amtszimmern, Kontoren und Werksälen!

    Entlarvt sie um Gotteswillen endlich! Sie sind ja alle nur möglich, weil die andern Untertan spielen und stramm stehen, wo sie sich das Kasperltheater verbitten sollten. Habt doch keinen solchen Heidenrespekt mehr vor einer drohenden Amtsmiene oder einem Feldherrenblick von einem Drehstuhl herab! Es steckt ja gar nichts dahinter, wie hinter der ganzen famosen Monarchie nichts gesteckt ist.

    Die Republik darf nicht an diesem falschen Respekt zu Grunde gehen. Sie ist drauf und dran, es zu tun. Ein reaktionärer, bornierter Landrat gilt heute immer noch mehr als ein demokratischer Minister. Alle die eingebildeten Größen bis herab zum Schutzmann fühlen sich als Platzhalter der Monarchie.

    Soweit es sich um Beamte der Republik handelt, sollte man gründlich säubern, aber bitte, ohne Pension! Die Andern stelle man an den Pranger, wo man kann. Die Kommis-Visage und die blöde Untertanenphysiognomie gehören nicht in eine Republik.

    Ich fürchte nur, es geht nicht so schnell. Man findet zuweilen selbst bei guten Republikanern ein fast zu rührendes Verständnis für die Schwächen der Gegenseite. So werden wir schon noch eine Zeit lang eine gehemmte Monarchie sein.

    Hermann Mauthe

  • Deutscher Frühling

    Deutscher Frühling

    — Jg. 1921, Nr. 12 —

    Frühling! Das ist etwa so: eine süße Ahnung von köstlichen Sommern liegt in der Luft. Ewig heiter und sorglos blaut droben der weite Himmel und eine sanfte Melodie schwingt hin durch unendliche Räume. Ein ganzes Sortiment von Wundern ist hingeworfen mit heiterer Gebärde. Tage, verträumt im milden Lächeln Gottes, das Blume heißt und Tau und ziehende Wolke und WellenspieL Das ganze leicht ausstaffiert mit Eichendorff-Gefühlchen als Extra-Beigabe für uns Deutsche.

    Aber der „teutsche“ Spießer, zerrüttet von Revolution, Demokratie und Schicksal, gruppiert sich trauernd um das Grab eines verstorbenen Militarismus und pflanzt in den lachenden Frühling hinein mit liebenden Händen die Blümchen seiner alldeutschen Hoffnungen.

    Frühlingswinde lispeln dazu in deutschem Akzent ein uraltes Lied. Gewaltige Visionen steigen auf von prächtigen Frühlingsparaden, vom Taktschritt deutscher Regimenter, von Schnurrbartspitzen halbgöttisch zum Himmel gezwirbelt, von Händen gehorsamst an Hosennähten, von höfischem Glanz und Festen. In der Ferne winkt ein köstlicher Sommer: Deutschland befreit von Juden und Idealisten, im Glanz seiner Helmspitzen sich spiegelnd.

    Ach ja! Wenn sie jetzt der Frühling mit Macht überfällt und sie liegen irgendwo hingegossen auf spinatgrüner Flur und die Kordel baumelt am Lodenhemde melancholisch in die Welt hinein, wenn sie da liegen und träumen zu den Wolken hinauf, träumen sie immer nur dies; jeder Tautropfen spiegelt es wieder; jeder Vogelsang kennt nur diese Weise und aller Wolken Zug geht nur diesen Weg.

    Man möchte Psychiater sein, um Menschen zu verstehen, die, aus einem irren Bluttaumel und Vernichtungswahn jählings in die Wirklichkeit erwacht, nach wenigen Monaten schon den Moment des Erwachens verfluchen. Die den gräßlichen Anschauungsunterricht eines unheimlichen Amoklaufes genossen haben und doch nicht mehr begreifen, warum sie einmal in ganz natürlichem Ekel die Mordwaffen hingeworfen haben.

    Man möchte wissen, was in Menschen vorgeht, die, herausgewachsen aus dem Humus einer Jahrtausende alten christlichen Kultur, immer noch erstarrt und enttäuscht stehen, weil ein Weltkrieg, eine rasende Orgie von Vernichtung, Haß und Gemeinheit nur Elend und Not, moralischen Tiefstand und sittlichen Verfall gebracht hat.

    Man möchte es begreifen, warum ein Volk auf der hohen Stufe der Wissenschaft, wie es das deutsche ist, es nicht fertig bringt, mittels dieses wissenschaftlichen Denkens den langen Weg einer unglücklichen Entwicklung bis zur Katastrophe klarzulegen.

    Soviel von den Zulu-Kaffern bekannt ist, sollen sie die Fähigkeit besitzen, aus gemachten üblen Erfahrungen zu lernen. Wir haben an Deutschland das betrübliche Beispiel, daß ein Volk einen Weltkrieg verlieren kann und trotzdem im alten Fahrwasser weitertreiben, mit denselben vagen Hirngespinsten und denselben erdenfremden Träumen.

    Sollte nichts von den Zulus zu lernen sein?

    Man steht erschüttert in diesem Frühling, am Ende einer kurzen Spanne Zeit, da irgendwelche Hoffnungen in uns sproßten. Einmal, im November 1918, als das Volk sich von seinen Fesseln befreite, keimte schüchtern hoffnungsvolle Saat. Etliche nannten es eine Revolution. Arme Menschen! Wieviel Hoffnungen und heiße Sehnsüchte spracht ihr damit aus! Heute wissen wir es. Es war keine Revolution. Es war ein bedauerlicher Irrtum! Es war eine kleine Entgleisung der deutschen Psyche. Nichts weiter. Der kurze Weg von damals bis heute demonstriert dies vortrefflich. Tausende liegen mit Gewehrkolben niedergeschlagen, von hinten „auf der Flucht“ erschossen, von Kommisstiefeln zu Tode getrampelt. Der Geist von 1914 lebt noch. Er hat sich auch im Bürgerkrieg bewährt. Seine Methoden sind noch weiter ausgebaut worden. Und was in manchen Köpfen von „den Tagen der Schmach“ noch geblieben, sucht man mit Gummiknüppeln, Stinkbomben und Rüpeleien vollends auszutreiben!

    
Vergessen der Wahnwitz des Weltkrieges. Vergessen die Ströme von Blut. Vergessen das Grauen des Schlachtfeldes, die tierischen Ekstasen der Riesenabschlachtungen, die grandiose Arbeit raffinierter Vernichtungstechnik Vergessen die Blamage der Marneschlacht, vergessen der Unsinn vor Verdun und noch vieles mehr. Vergessen! Nichts ist in diesen Köpfen haften geblieben von dem grausigen Spuk.


    Was geblieben ist, ist nur eitel Phrase: von dem Dolchstoß von hinten und all dem Kohl, der zu widerlich ist, um ihn aufzuwärmen.

    Daß Millionen unter der Erde modern und Hunderttausende von Krüppeln dahinvegetieren, wer spricht noch davon! Indessen hören wir von duldenden, gottergebenen Fürsten, die in der Verbannung ihre Millionen verzehren. Es ist ekelhaft.

    Dies ist deutscher Frühling. Die Sonne lacht. Ungeahnte Wunder tun sich auf. Man möchte sich hingeben und Mensch sein. Aber man ist hineingestellt in die Misere der „teutschen“ Staatsmaschinerie als Objekt einer lieblichen Verwaltungs-Bürokratie. Wenn man nicht hier und dort Menschen hätte, um derentwillen es sich verlohnt, zu bleiben, man schiffte sich ein, irgendwohin, weit weg.

    1921, 12

    Hermann Mauthe

  • Das Malheur

    Das Malheur

    In einem Schafshirn wuchs ein Plan,
    wie man am besten leben kann.

    Den hat dann jählings über Nacht
    ein Drehwurm ihm zunicht gemacht.

    Der fraß gerad an jener Stelle
    ihm die Gehirnsubstanzenzelle.

    Und fraß mit ihr zugleich, o Wunder,
    Den klug erdachten Plan hinunter.

    Seitdem dreht es sich riegeldumm
    im Kreise um sich selbst herum.

    1922, 36 hm

    Gegen Dummheit kämpfen Götter nie; sie leben ja von ihr.
    1925, 32 Ix

    Als Gott die Erde erschaffen, war sie leidlich gut. Leitartikel sind erst sehr viel später aufgekommen.
    1922, 48 Momos