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Der Gestellungsbefehl
Mufti wird bei Ausbruch eines Kriegesdurch ein amtlich Formular betroffen,das ihm schroff erklärt, man wolle hoffen,zur Erreichung des geplanten Sieges werde ohne weiteres auch ersich gleich vielen vorbestimmten Heldenmorgen in der X-Kaserne meldenzwecks Empfang von Soldbuch und Gewehr. Mufti schreibt dem Schreiber dieses Schreibens: „Nein, mein Herr, ich kann mich nicht bequemen,an geplantem Kriege teilzunehmen,weil…
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Die Bett-Schildkröte
In höheren Jahren befaßte sich Goethemit der Erfindung der Bett-Schildkröte . . . Denn wird der Mensch erst etwas älter,dann werden auch die Beine kälter.Und was den p. t. Bettschatz betrifft,so will man die nötigen Kaloriennunmehr doch lieber in Ruhe beziehenund hat ihn drum kurzerhand ausgeschifft. Tjaja . . . Und die üblichen Wärmekruken,die haben…
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Aufwertung
Wer immer Treu und Redlichkeitgeübt hat bis zum Grab,dem nahm der Staat in „großer“ Zeitden letzten Groschen ab. Heut zahlt er seine Dankesschuldmit Zins und Zinseszins . . .Auch ihr kommt dran, habt nur Geduld,Gevatter Kunz und Hinz! Die Schlotbarone an der Ruhrsind grad wie der in Doornund Lindström, der nach Schweden fuhr,voll aufgewertet wor’n.…
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Wahltag
Wie herrlich ist’s, ein freies Volk zu sehen, das sich in eignem Namen stolz regiert — von acht bis fünf — indem es schwarz markiert die Auserwählten, die auf Listen stehen! Ha, solches Tun erfüllt die innern Zonen mit dem Bewußtsein höchsten Menschenwerts; im Herzen, wo die Hochgefühle wohnen, dampft es vor Stolz und brodelt…
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Repräsentation
Die Herren in Frack und gestärkter Brust, geschniegelt, gebügelt und selbstbewußt, im Knopfloch die Chrysantheme. Die Damen in Seide und Krepp-Sateng, geschminkt und gepudert und, huch, so mongdäng — mit einem Wort: Crême de la Crême! Und es tanzen mal rechts und es tanzen mal links, die Sorgen vergessen habend, die Müllers, die Löbes, die…
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Mit Vorbehalt
„Ich treib’s nicht so wie allenthalb die tadelnswerte Menschensippe. Ich tanze nicht ums goldne Kalb . . .“ — Schon wölbt zum Lob sich meine Lippe. „Natürlich tut der Hunger weh“, fügst du hinzu. „Auch muß man wohnen. Und das bedingt denn je und je gewisse kleine Konzessionen.“ — Ach so . . . ja…
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Erlebnis in Zschrimbaro
Mufti geht mit seinem Hunde Carodurch den schönen Stadtpark von Zschrimbaro.(Dieses ist ein Ort im Zschrimbu-Land,welches er soeben selbst erfand.) Heiter wandeln beide durch Alleenzwischen Bäumen, Blumen und Kakteenund genießen, was durch Zauberruffarbenprächtig Muftis Geist erschuf. Man ergeht sich unter riesengroßenVeilchenbäumen, Primeln, Mammutrosen;und die Menschheit ringsum spricht perfektihren sanften Zschrimbi-Dialekt. O wie schön, in einer…
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Offiziersball
Emilie, reich mir die Hurratüteund heft den Christbaumschmuck mir an den Latz!Heut sammelt sich von deutscher Männerblüteder Bodensatz. Und wenn auch die Novemberlinge spotten,wir strahlen doch im alten Farbenglanz.Ein deutscher Mann fühlt erst in scheckigen Klamottensich voll und ganz. Was Not des Volkes! Arbeitslosenqualen?Die Löhne klein, das Fressen schlecht und karg?Wenn die uns solche Pensionen…
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Wie ehedem
Sie schreiten Fronten ab wie ehedemund brüsten sich mir Sternen, Kreuzen, Tressen;es blitzt der Helm, des Dünkels Diadem,wie ehedem.Sie haben, wie man sieht, noch nichts vergessen. Die Mannen stehen stramm wie ehedemund schreien „hurra! hoch!“ mit Bockbierbässen.Kommando: rührt euch!, und sie „stehn bequem“,wie ehedem.Sie haben alles lange schon vergessen. 1924, 30 Mufti Bufti
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Ode an die Dummheit
Laß mich um deinen Sockel Kränze windenaus Immortellen und aus Immergrün!Nie wird die Allmacht deines Thrones schwinden,und deiner Hand das Zepter zu entwindenist heißes, doch vergebliches Bemühn. Du blinzelst nicht wie Themis durch die Binde,du unterscheidest weder Links noch Rechts;dem Millionärs- und dem Proletenkindelegst in die Windeln du dein Angebindeohn‘ Ansehn der Person und des…
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Der Eine
O Krieg! O Sieg! Hurra! Hurra! Viktoria! Ein Cantus steigt. — Nur einer schweigt im Tischgeschrei — der war dabei. 1924, 52 Verfasser unbekannt
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Den Deutschen
Ihr hört mit Andacht, was der Dichter spricht: Die Weltgeschichte ist das Weltgericht.Nur dann gefallen euch die Worte nicht,wenn euch das Urteil die Geschichte spricht. 1923, 31 E. R. Es gibt heute nur einen „dunklen“ Erdteil, das ist Europa. Man sollte Missionare hinschicken. 1922, 13 Mauthe
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Das Malheur
In einem Schafshirn wuchs ein Plan, wie man am besten leben kann. Den hat dann jählings über Nacht ein Drehwurm ihm zunicht gemacht. Der fraß gerad an jener Stelle ihm die Gehirnsubstanzenzelle. Und fraß mit ihr zugleich, o Wunder, Den klug erdachten Plan hinunter. Seitdem dreht es sich riegeldumm im Kreise um sich selbst herum.…
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Stiefelwichse
es handelt sich hier um keine Kleinigkeit, wie Sie annehmen, sondern um eine Sache, die das ganze deutsche Volk angeht, soweit es nicht barfuß läuft oder laufen will. Eine Angelegenheit von breitester nationaler Bedeutung. Unbegreiflich, daß sich die Öffentlichkeit darum bis jetzt nicht gekümmert hat.
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Hindenburg
Herr v. Hindenburg feiert heute seinen 80. Geburtstag. Da er seit Tannenberg so etwas wie ein deutscher Nationalheiliger ist, wird es ohne einen kleinen Hindenburgrummel nicht abgehen. Auch linksstehende Blätter und Personen werden sich ihm wahrscheinlich nicht entziehen können.
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Strümpfe oder Dynamit
Zum Kriegführen braucht man heute drei Dinge: Giftgas, Dynamit für die Sprenggeschosse und Öl zum Betrieb der Schiffs- und Flugzeugmotoren. In Deutschland werden diese drei Kriegsmittel hergestellt in den Fabriken und Laboratorien des Chemietrustes, der I.-G. Farbenindustrie A.-G.
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So wirds werden
Heute Morgen 1/2 5 Uhr haben polnische Freischärler östlich von Schlochau die deutsch-polnische Grenze überschritten. Das Reichskabinett ist sofort unter dem Vorsitz des Reichswehrministers Geßler zu einer Sitzung zusammengetreten und hat für ganz Deutschland den Kriegszustand erklärt.
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Der Moloch
Vom Zehnmilliardenetat der deutschen Republik für 1929 nimmt der Wehretat rund 700 Millionen Mark in Anspruch…
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Der Friede von Potsdam
Gerade die Militaristen und die Gewaltpolitiker sind es, die den Kampf gegen Versailles führen, und zwar deshalb, weil sich die Prinzipien, die sie selber anerkennen, diesmal gegen ihr eigenes Land und nicht gegen ein fremdes gewandt haben.
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Die „Unschuldigen“
Als vor einigen Monaten die letzten Bände des Werkes „Die große Politik der europäischen Kabinette 1871-1914“ erschienen, haben die Streiter gegen die „Schuldlüge“ dem deutschen Volke großes Heil verkündet. Da stünde sie drin, die Unschuld Deutschlands! (Sie reden immer von Deutschland, wenn sie Wilhelm meinen.)
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Verantwortlich
Am 28. Juli 1914, vormittags 11 Uhr, hat mit der österreichisch-ungarischen Kriegserklärung an Serbien der große Krieg begonnen… Er wäre aufzuhalten gewesen, wenn auch nicht von den Sozialdemokraten. Das hat jetzt, besser als alle die seither ehrlich die Akten studiert haben, ein Meister der Darstellung uns von neuem bewiesen: Emil Ludwig in seinem Buche „Juli…
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Nach 75 Jahren
— Jg. 1923, Nr. 11 — Heute vor 75 Jahren, am 18. März 1848, war Straßenkampf in Berlin. Auf den Barrikaden standen Arbeiter aus den Maschinenfabriken von Borsig, Egells und Rüdiger; neben ihnen die Studenten, von denen sie aus den Betrieben geholt worden waren. Auf dem Friedhof der Märzgefallenen im Friedrichshain liegen unter Arbeitern, Handwerkern,…
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Der neunte November
Der 9. November, an dem die Republik geboren wurde, ist für unsere Offiziellen und Offiziösen eine peinliche Erinnerung, etwas, das nach Bolschewismus riecht. Also feiern wir schon lieber als Geburtstag unserer deutschen Republik den 11. August, den Tag, an dem im Jahre 1919 Friedrich Ebert die Weimarer Verfassung unterschrieben hat.
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Hugenberg
Der deutschnationale Abgeordnete Hugenberg ist einer der mächtigsten Männer nicht nur in der Deutschnationalen Volkspartei, sondern in Deutschland überhaupt. Worauf beruht seine Macht?
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Rechnen gegen den Terror
von Daniel Furth. Er kämpfte mit Zahlen – und riskierte dabei sein Leben. 1922 untersuchte der Mathematiker Emil Julius Gumbel Hunderte politische Morde in der jungen Weimarer Republik und offenbarte schonungslos die Willkür der deutschen Justiz. Dann nahm seine Karriere in Deutschland abrupt ein Ende.
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Ein Märtyrer
An bürgerlichen Stammtischen ich aber spuckt man aus, wenn der Name fällt; man hält seinen Träger für einen Schuft, einen gemeinen Kerl, einen Vaterlandsverräter. Sein Mörder erfreut sich der Freiheit und besten Ansehens, hat wahrscheinlich sogar ein gutes Gewissen…
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Der politische Journalist
von Reinhard Appel. Sein Grundakkord war sozialistisch, aber die darauf aufbauenden Variationen verbanden sich zu einer liberalen Komposition. Es wäre nicht möglich, den Demokraten und Republikaner Erich Schairer in eine parteipolitische Schablone zu pressen…
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Ein schwäbischer Karl Kraus
Ein Verleger und Journalist wie Erich Schairer ist heute kaum denkbar. Sein Credo lautete: Kampf gegen Kirche, Kapitalismus, für Gemeinwirtschaft und Gerechtigkeit. Anfang 1937 verhängten die Nazis ein Berufsverbot über ihn, 1946 wurde er Mitherausgeber der „Stuttgarter Zeitung“. Am 21. Oktober 2012 wäre er 125 Jahre alt geworden. VON KURT OESTERLE
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Sozialisierung der Presse
Das Inseratenwesen ist, wie schon Lassalle gepredigt hat, in erster Linie schuld an der Minderwertigkeit unserer Zeitungen. Wie kann ein Blatt dem öffentlichen Interesse dienen, das gleichzeitig über den Inseratenteil jedem zahlungsfähigen Privatinteresse zur Verfügung steht? Auch die sozialistische und die kommunistische Presse glaubt ohne diese unreinliche Verquickung nicht existieren zu können. Sie könnte es,…
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Schöpferischer Rebell
5.10.1987, von Martin Hohnecker. Als er 1919 wegen sozialistischer Gesinnung den Chefredakteursposten bei der Heilbronner „Neckar-Zeitung“ verloren hatte, gründete er sein eigenes Blatt: die pazifistisch-radikaldemokratische, jahrelang anzeigenabstinente „Sonntags-Zeitung“. Als ihn 1936 die Nationalsozialisten aus der Redaktion drängten, setzte er in eben dieses Journal ein Stellengesuch und schlug sich danach als Weinvertreter durch.
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Gumbels Enthüllungs-Buch
DER SPIEGEL 33/1981. Unter dem Titel „Vier Jahre politischer Mord“ hat „Das Wunderhorn“ eine 1922 erschienene Enthüllungs-Recherche wieder zugänglich gemacht, die, wie Arnold Zweig in der „Weltbühne“ schrieb, „in den Blutkeller der deutschen Reaktion hineinleuchtet“…
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Straßburg, die Hauptstadt Europas
uf dem Münster flatterte die blau-weiß-rote Trikolore. Denn gerade am Tag vor der Eröffnung des Europa-Rats, dem 25. November 1952, hatten die Straßburger zufällig etwas anderes Wichtiges zu feiern: den Tag der Befreiung und die Einweihung eines Denkmals für ihren Befreier, General Leclerc…
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Mathematische Romanze
In einer warmen Sommernacht konnte man in einem der Ankreise eines rechtwinkligen Dreiecks leise schmelzende Akkorde vernehmen. In dem Dreieck wohnte nämlich unter Obhut ihrer Tante Kontangens das Fräulein Tangens, und eben brachte ihr Don Sinus ein Ständchen auf einer Ellipse, über die vier Parallelen gespannt waren. Er lehnte sich schwärmerisch an den Radius c…
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Die Konfirmationstorte
Kann denn Gott etwas mehr gefallen als eine Konfirmationstorte, die nicht die sinnlose Kreisform, sondern die sinnige Form einer Bibel hat?
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Der Mensch ist dumm
Immer öfter beschleicht mich neuerdings der ketzerische Gedanke, daß der Mensch nicht die Krone der Schöpfung, sondern eine Fehlkonstruktion sei, zum Untergang bestimmt wie die Saurier der Jurazeit, weil er nicht imstande ist, sagen wir es gerade heraus: weil er zu dumm ist…
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Ungesühntes Blut
Der Verfall der politischen Sitten hat in den letzten Jahren in Deutschland eine Massenerscheinung hervorgebracht, die vordem hier vollkommen unbekannt war: den politischen Mord. In den drei Jahren 1919 bis 1921 sind 378 Morde von Rechts und 20 von Links vorgekommen. Auf diese Weise sind fast sämtliche Führer der extremen Linken durch ungesetzliche Handlungen beseitigt,…