Politische Morde und gebeugte Justiz

  • Sacco und Vanzetti

    Am 9. April 1927 sind in Boston die beiden italienischen Arbeiter Sacco und Vanzetti zum zweitenmal zum Tode verurteilt worden. Dieser Fall Sacco-Vanzetti ist ein Beispiel politischer Rechtsprechung und ungerechter Handhabung der Justiz, wie es die Fälle Dreyfus in Frankreich, Fechenbach und Hölz in Deutschland waren.

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  • Gumbels Enthüllungs-Buch

    DER SPIEGEL 33/1981. Unter dem Titel „Vier Jahre politischer Mord“ hat „Das Wunderhorn“ eine 1922 erschienene Enthüllungs-Recherche wieder zugänglich gemacht, die, wie Arnold Zweig in der „Weltbühne“ schrieb, „in den Blutkeller der deutschen Reaktion hineinleuchtet“…

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  • Rechnen gegen den Terror

    von Daniel Furth. Er kämpfte mit Zahlen – und riskierte dabei sein Leben. 1922 untersuchte der Mathematiker Emil Julius Gumbel Hunderte politische Morde in der jungen Weimarer Republik und offenbarte schonungslos die Willkür der deutschen Justiz. Dann nahm seine Karriere in Deutschland abrupt ein Ende.

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  • Emil Julius Gumbel

    Der 1890 geborene Emil Julius Gumbel stammte aus einer jüdischen Münchener Bankiersfamilie. Im Weltkrieg war er zum Pazifisten geworden und hatte sich in der Novemberrevolution innerhalb der USPD engagiert. Er war u.a. Lehrer an einer Betriebsräteschule gewesen. Berühmt wurde er als Historiker und Statistiker der politischen Morde in den bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen der frühen Weimarer Republik.…

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  • Justizopfer: Jakubowski

    Jakubowski, ein russischer Kriegsgefangener, ist am 26. März 1925 von einem mecklenburgischen Schwurgericht zum Tode verurteilt und am 15. Februar 1926 hingerichtet worden. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist er das Opfer eines Justizmordes geworden.

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  • Max Hoelz

    Justizopfer: Max Hölz

    Hölz ist der Prügelknabe unserer Justiz und unserer gesamten Bourgeosie: dadurch, daß sie ihn zum Monsterverbrecher, zum Inbegriff alles Schlechten, das in ihnen selbst steckt, machten, verschaffen sie sich das „gute Gewissen“, das sie als sanftes Ruhekissen für den Schlaf ihrer Nächte brauchen.

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  • Giacomo Matteotti

    Justizopfer: Matteotti

    Im Juni 1924 ist der italienische Sozialist [Giacomo] Matteotti von Faschisten ermordet worden. Im März 1926 sind die Mörder teils freigesprochen, teils so verurteilt worden, daß sie in wenigen Monaten wieder im Lichte (mussolinischer Gnade) wandeln werden. Mussolini, der Vergewaltiger des Rechts und der Menschlichkeit…

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  • Carl Hau

    Justizopfer: Hau

    Karl Hau ist tot. Gottes Mühlen mahlen langsam; aber die der bürgerlichen Gerechtigkeit mahlen sicher. Im Jahre 1907 hat man ihm das Leben abgesprochen: aber Totgesagte leben lange; er wurde begnadigt und hat es 17 Jahre im Zuchthaus ausgehalten.

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  • Heinrich Wandt

    Justizopfer: Heinrich Wandt

    Diese „Freie Presse“ und besonders ihr Redaktor Heinrich Wandt waren natürlich der Justiz unserer „Republik“ ein Dorn im Auge, weniger — das versteht sich am Rande — wegen der Skandalartikel, als wegen der politischen Richtung. Man war furchtbar scharf darauf, den Mann bei erster Gelegenheit am Wickel zu nehmen.

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  • Felix Fechenbach

    Justizopfer: Fechenbach

    Sein Verbrechen ist: daß er der Geheimsekretär Eisners gewesen ist. Der Bürger hat ein gutes Gedächtnis, wenn er will. Sein Groll gegen alles, was ihm fremd oder unverständlich ist, überdauert Weltuntergänge. Denn er hat Charakter. Den Charakter eines Hundes.

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  • Das deutsche Verbrechen

    [StZ vom 31.12.1946] Professor Friedrich Wilhelm Förster, der bekannte Pädagoge und Pazifist, hatte in der „Neuen Zürcher Zeitung“ einen Aufsatz erscheinen lassen, in dem er die Alliierten davor warnt, Deutschland zu vertrauen und es in den Kreis der Nationen aufzunehmen, ehe es sein Riesenverbrechen wirklich eingesehen und bereut und sich moralisch gebessert habe…

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  • Mörderische Statistik

    [15.02.2016] Emil Julius Gumbel hat um 1920 politisch motivierte Morde untersucht und stellte fest: Die Justiz ist auf dem rechten Auge blind. Mehr als 350 rechtsextremen Morden standen rund 20 linksextreme gegenüber. Linke Täter bekamen Todesurteile, rechte im Schnitt nur vier Monate Haft. Sein Buch wurde von den Nazis verbrannt, jetzt ist es wieder da.

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  • Gedenkfeiern

    Gedenktage sind Meilensteine auf dem weiten Weg der Vergeßlichkeit und Gedankenlosigkeit. Heute ist wieder ein solcher; und es ist nicht zu bezweifeln, daß er „würdig“ und im gewissen Sinne „erhebend“ verlaufen wird. Denn je mehr wir uns von dem „großen Geschehen“ entfernen, desto eher hat die vaterländische Rhetorik Aussicht, das Gedächtnis zu besiegen.

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  • Frau Momm

    — Jg. 1930, Nr. 12 — Ihr Mann ist in Potsdam Regierungspräsident,Justizrat ist ihr Herr Schwager, ihr Schwiegersohn gar ist Ministerialdezernentaus mächtig feudalem Lager.Wie Sie sehen, gehört die gute Frau Mommzu den allerbesten Kreisen.Die Dame ist überdies kolossal fromm,so fällt es nicht schwer, zu beweisen,daß sie das mit dem fraglichen Silbergeschirrnicht aus gemeinen Motiven gemacht,sondern…

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  • Verblendet

    Die unheilvollen Kräfte, die Deutschland seit zehn Jahren ins Verderben gestürzt, rumoren unheimlich weiter. Es scheint, als ob die Masse dieses Volkes aus den blutigen und tragischen Lehren seiner Vergangenheit nicht das Mindeste gelernt habe. Vor allem nicht die Schicht, die einst selbst von sich rühmte, daß sie „Bildung und Besitz“ repräsentiere. Nicht die leiseste…

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  • Der Kapp-Lüttwitz-Putsch 1920

    Organisiert vom früheren Freikorpsführer Pabst, der schon die Ermordung Liebknechts und Luxemburgs befohlen hatte. Finanziell unterstützt wurden die Putschisten von Teilen der Industrie und Banken. Aushängeschild war Wolfgang Kapp, ein Ostelbischer Junker und Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

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  • Das Ende des Schweigens

    Die Ausstellung „Ungesühnte Nazijustiz“ sorgte vor 60 Jahren für Furore – zu einer Zeit, als noch kaum jemand im Nachkriegsdeutschland an Aufarbeitung dachte. Der deutsche Generalbundesanwalt Max Güde bestätigte die Authentizität und Echtheit der ausgestellten Unterlagen.

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